Donnerstag, 21. September 2017

Kommentar zum Streit über Musikfestival

Wie wäre es mit einem Stadtmarketing?

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Prothmann300

Wo bleibt endlich ein vernünftige Stadtmarketing für Ladenburg?, fragt sich Chefredakteur Hardy Prothmann. Foto: sap

Ladenburg, 07. Juni 2013. (red/pro) Der Streit um das Musikfestival ist richtig, denn es sind viele Fragen offen. Und bietet Gelegenheit, das eigentliche Thema endlich zu fokussieren: Hat die Stadt ein Stadtmarketing und wenn ja, gibt es auch ein überzeugendes Konzept? Und wie sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung aus?

Kommentar: Hardy Prothmann

Der Bürgermeister Rainer Ziegler ist also bereit, das Musikfestival aus Stadtmarketingsgründen „ein Stück weit mitzufinanzieren“. Diese Aussage ist erstaunlich, weil nicht der Bürgermeister Herr des Haushalts ist, sondern der Gemeinderat. Und der ist offensichtlich nicht umfänglich über Kosten und Nutzen der Veranstaltung informiert. Zumindest muss man von außen diesen Eindruck haben. Und selbst, wenn die Einzelausgabe in den Entscheidungsbereich des Bürgermeisters fallen sollte – gilt das auch für die Summe aller Ausgaben in diesem Bereich?

Schaden abwehren – Wohl mehren

Die Fragen, die die beiden CDU-Stadträte Günther Bläß und Uwe Wagenfeld gestellt haben, sind absolut korrekt und geeignet „Schaden von der Stadt abzuwenden“. Die Schadensabwehr ist eine hoheitliche Aufgabe des Gemeinderats – aber ebenso das Wohl der Gemeinde zu mehren.

Ladenburg ist noch mit Abstand die lebendigste Veranstaltungsgemeinde im Vergleich mit anderen drumherum. Das sorgt für ein positives Image, aber auch für hohe Belastungen, beispielsweise der eigenen Bevölkerung – teils auch der Nachbargemeinden, die von Lärm und Verkehrsbehinderungen auch betroffen sind. In Ladenburg kommen partielle Verschmutzungen und Vandalismus hinzu. Ebenso die teilweise arg in Mitleidenschaft gezogene Festwiese. Weil 17.000 Konzertbesucher an zwei Abenden Spaß haben wollten müssen die Ladenburger über Wochen und Monate die Folgen tragen.

Will man das oder will man das nicht? Diese Frage muss sich der Gemeinderat stellen und mehrheitlich beschließen. Ein positives Image ist eine gute Sache – oft aber auch eine teure. Will und kann man sich das leisten? Oder gibt es sogar einen Weg, mehr einzunehmen, als man dafür ausgibt?

Offene Fragen

Dafür muss man Fragen stellen und Antworten suchen. Würde eine Absage an die Veranstaltungsreihe Ladenburg mehr und mehr zur Museumsstadt machen? Warum nicht – andere Städte profitieren enorm davon. Und Ladenburg hat schöne Museen, beispielweise das Carl-Benz- und das Lobdengau-Museum. Und wenn die Festwiese nach so einer Veranstaltung ein Acker ist? So what? Dann räumt man halt auf und nimmt das hin.

Doch wie viele der 17.000 Besucher kommen nach den zwei Tagen wieder nach Ladenburg und geben da Geld aus? Im Gegensatz dazu: Wie lange müssen die Ladenburger sich gedulden, bis ihre Infrastruktur, die sie bezahlen, wieder hergestellt ist? In welchem Verhältnis steht das zueinander?

Und weiter: Ist die Pacht zu niedrig? Gibt es überhaupt eine? Wer trägt die Reinigungskosten? Welche Kosten gibt es sonst noch? Legt Ladenburg sogar noch drauf? Und welche Summe? Gibt es überhaupt einen Gesamtetat für Marketing-Maßnahmen? Wer hat den Überblick?

Und wie ist das in ein Stadtmarketing-Konzept eingebunden? Gibt es das überhaupt? Uns ist keines bekannt. Das Drachenbootrennen hat sich im Umfeld negativ durch saufende Teenager entwickelt, das Ballonfestival ist gestorben, weil man sich nicht einig werden konnte und die Unsicherheit über die Zukunft des Weihnachtsmarktes dauert an. Die Debatte um die Verkehrsregelung in der Altstadt hat viel zu lange gedauert. „Ladenburg tafelt“ soll Ende des Monats stattfinden – aber wer weiß davon? Die öffentliche Präsenz der Stadt über den vergeigten Internetauftritt ist mehr als peinlich, er ist lausig.

Hier gehört Struktur rein, eine klare Kostenkalkulation, pfiffige neue Ideen braucht es und den Mut, auch Veranstaltungen zu beenden.

Wenn beispielsweise das Musikfestival defizitär ist und die Ladenburger Steuerzahler herangezogen werden, damit der Hirschberger Veranstalter Demi-Promotion weniger Verlust macht. Das wird den Ladenburger nicht zu vermitteln sein. Auch nicht, dass man es versäumt, endlich ein Konzept aufzustellen, um die viele „Baustellen“ im Marketing endlich planmäßig und mit einer gezielten Strategie anzugehen.

Das Marketing gehört nicht in die Hände des BdS – das hat der Bund der Selbständigen unter Beweis gestellt. Die können es nicht und bilden nur Gewerbetreibende ab, nicht aber Kultur und Vereinswesen sowie Geschichte. Der Heimatbund kann es auch nicht, weil er nicht die Geschäftswelt und das Vereinswesen abbildet. Und die Vereine können es auch nicht, wie das Drama um das Ballonfestival gezeigt hat. Geeignet wäre ein Eigenbetrieb der Stadt, der nicht gewinnorientiert, aber kostendeckend arbeitet – die notwendigen Gebühren erhebt, Veranstaltungen plant, bewirbt und auch nachbereitet. Eine gebündelte und verantwortliche Zuständigkeit würde dem Tohuwabohu ein Ende setzen und Ladenburgs kulturelle und sportliche Vielfalt in die Zukunft führen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Ladenburgerin

    Sehr geehrter Herr Prothmann,

    nachdem sich Ihr blog kontinuierlich von den Interessen der Ladenburger entfernt (kein Wort über die fantastischen Open-Air-Konzerte, negativistische Darstellung aller Bemühungen von Menschen, die sich für die Entwicklung dieser Stadt engagieren), ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen mitzuteilen, wie traurig ich es finde, wenn der gesamte Lebensinhalt sich auf das „Schlechtschreiben“ fokussiert.

    Ich wünsche Ihnen etwas mehr Gelassenheit und einen positiveren Blick in die/für die Zukunft.

    Was die Wiese angeht, vertraue ich vollkommen aus das Urteil unseres neuen stv. Leiters des Stadtbauamts Gregor Völker, der seine ökologische Kompetenz in seiner relativ kurzen Amtszeit schon mehrfach unter Beweis stellen konnte. Vielleicht gibt es ja noch ein paar Fotos in 1-2 Wochen?

    Alles Gute und beste Grüße

    • hardyprothmann

      Liebe Frau Ladenburgerin,

      Ihr Kommentar ist leider wenig qualifiziert, mal abgesehen davon, dass wir weder wissen, ob Sie eine „sie“ sind oder aus Ladenburg sind.

      Wie andere unsere Arbeit wahrnehmen – Sie verzeihen, dass ich meine Mitarbeiter ins Spiel bringe – können Sie hier nachlesen:
      http://www.ladenburgblog.de/12/das-heddesheimblog-feiert-4-jahriges-jubilaum/13259.html

      Wir berichten nicht mehr über Konzerte, die Demi-Promotion veranstaltet, seit diesem Vorfall, den Demi-Promotion bis heute nicht aus der Welt geschafft hat:
      http://www.ladenburgblog.de/?s=delay&submit=Los

      „Negativistische Darstellung“ – da scheinen Sie ein echtes Wahrnehmungsproblem zu haben. Oder eins des Differenzierungsvermögens. Beispiel:
      http://www.ladenburgblog.de/05/wenn-frau-brantner-an-der-bergstrase-ankommen-will-muss-sie-brussel-verlassen/12555.html

      vs.

      http://www.ladenburgblog.de/02/schon-meine-schulzeit-war-europaisch-gepragt/12974.html

      Wenn Sie die erfolgreiche Beerdigung des Ballonfestivals meinen oder die Vorgänge um den Weihnachtsmarkt oder das demnächst verstorbene Ladenburg tafelt, haben Sie insofern recht, als „Bemühungen“ nicht immer positive Wirkungen haben.

      Was Ihre Vermutung angeht, es ginge um „Schlechtschreiben“, gehören Sie einer Gruppe an, die es leider nicht ertragen kann, dass man nicht alles „Gutschreibt“, was nicht gut ist.

      Journalismus ist nicht zur Beweihräucherung da (auch wenn Zeitungsleser das glauben), sondern zur kritischen Auseinandersetzung – positiv wie negativ.

      Danke für Ihre Wünsche – sind die ehrlich? Und was würde das heißen? „Es war schun immer so, werd a so bleibe, reg Disch ned uff, mon konn eh nix ännere?“ Möchten Sie einen solchen Journalismus?

      Wir erlauben übrigens Pseudonyme vor allem für die Menschen, die Nachteile befürchten müssen, wenn sie Ihre Meinung äußern. Befürchten Sie Nachteile für sich durch Ihren Kommentar? Welchen Grund gibt es, dass Sie nicht offen zu sich stehen?

      Könnte es sein, dass Sie die Anonymität wählen, weil Sie außer „schlechten“ Vorwürfen gegenüber meiner Arbeit und der meiner Mitarbeiter nicht wirklich etwas vorzubringen haben?

      Denken Sie mal drüber nach. Ihr Kommentar wäre eigentlich für die Spam-Box geeignet, er ist öffentlich und ich beantworte ihn öffentlich, um für die Leser/innen beispielhaft nachvollziehbar zu machen, wie „gewisse Kreise“ immer wieder kritische Berichterstattung zu stören versuchen.

      Ihr Wunsch ist erfüllt – ich und meine Mitarbeiter sehen das gelassen.

      Schöne Grüße
      Hardy Prothmann

      • NochEineLadenburgerin

        Sehr geehrter Herr Prothmann,

        so sehr ich Ihre Arbeit und den ladenburgblog als tägliche Lektüre schätze, so sehr fällt es mir leider bei kritischen Kommentaren auf, dass Sie häufig nicht so reagieren, wie es doch vom Ladenburgblog selbst gefordert wird.

        „Für uns steht fest: Kritische Diskussionen sind erwünscht, persönliche Beleidigungen hingegen werden entfernt.“
        passt für mich leider nicht zu
        „Ihr Kommentar ist leider wenig qualifiziert“ und
        „da scheinen Sie ein echtes Wahrnehmungsproblem zu haben. Oder eins des Differenzierungsvermögens…“

        Warum so dünnfellig und wenig diskussionsbereit? Wer Ihren Blog gerne und häufig liest, kann bereits deutlich erkennen, wer bei Ihnen auf der schwarzen Liste steht und wer nicht. Das ist sehr schade, da es nicht zu dem Anspruch eines neutralen Journalismus passt, dem Sie und Ihre Kollegen doch sonst eigentlich so hervorragend gerecht werden. Das ist aber auch ein Grund, hier anonym zu kommentieren.

        Und jetzt dürfen Sie auch mich zerfleischen.

        Herzliche Grüße
        Eine weitere Ladenburgerin

        • hardyprothmann

          Guten Tag!

          Das fällt meines Erachtens nicht unter Beleidigung, sondern kritische Diskussion.

          Das gilt auch für diesen Kommentar: „Warum so dünnfellig?“ – Woran machen Sie das fest? Und die Aussage: „Wenig diskussionsbereit“ ist ebenfalls wenig qualifiziert, denn die Diskussion findet doch statt – oder nicht?

          Das gilt ebenfalls für die „schwarze Liste“ – wir haben keine. Können Sie weitere Angaben machen, wer da Ihrer Meinung nach gelistet sein soll?

          „Neutraler Journalismus“: Diesen Aspekt haben wir immer wieder thematisiert, wenn Sie mich googeln finden Sie das Thema auch bei diversen Tagungen, an denen ich mich als Referent oder Podiumsteilnehmer äußere: Wir stehen für subjektiven Journalismus.

          Da wir alle Subjekte und keine Objekte oder Neutrums sind, ist unsere journalistische Arbeit zwangsläufig subjektiv. Wir arbeiten mit journalistischem „Handwerkzeug“, wir versuchen die wesentlichen Informationen und die wichtigen Perspektiven darzustellen – wir ordnen die aber auch subjektiv ein und machen deutlich, warum wir das tun. Das erzeugt eine hohe Transparenz und die Leser können selbst entscheiden, ob sie unsere Darstellung teilen oder ablehnen.

          Sehr erfreulich ist, dass meine Beiträge zu diesem Thema, die ich schon seit vielen verfasse, mittlerweile zu einer offenen Diskussion in der Branche geführt haben. Der „objektive Journalismus“ wird mittlerweile sehr kritisch diskutiert. Zerfleischte Todesopfer gab es meines Wissens nach noch nicht. 😉

          Schöne Grüße
          Hardy Prothmann

  • Externer

    Guten Tag zusammen,

    ich bin kein Ladenburger, aber finde Ladenburg ist etwas ganz Besonderes. Seit einiger Zeit lese ich immer wieder mal im Blog und die Beiträge kommen vordergründig erst einmal negativ rüber. Aber Moment, die Wahrheit tut nun einmal oft weh und ich kenne den Redakteur nicht persönlich, würde mir also nie ein Ver- oder Beurteilen erlauben, aber ihm scheint Ladenburg nicht gleichgültig zu sein und das ist gut. Es ist natürlich leichter, allgemein bekömmlicher und bequem über ein, trotz Sinnflut und Verkehrschaos, noch unvergessliches Konzert zu berichten. Aber das tut er nicht.

    Das aus einem verkaufsoffenen Sonntag, nahezu eine geheime Veranstaltung wird, ist sicherlich suboptimal. Von der Veranstaltung „Gartenlust“ war noch im entfernten Haßloch auf vielen Plakaten zu lesen, bei Ladenburg sah man weder von der Autobahn kommend noch direkt am Ortseingang etwas davon, dass der Einzelhandel, gebeutelt durch Baustellen und mit verzweifelten „Pflastersteinrabatt-Aktionen“ lockend, auf neue Kunden wartete…

    Das kann so nicht richtig sein und auch die Stadt partizipiert von gut laufenden Geschäften und wenig von Leerstand. Doch bringt alles Jammern nichts, denn wer schafft die Plattform ? Wer macht es besser und kritisiert nicht nur. Ich wäre dabei.

    Diese reizvolle Stadt hat es verdient.

    Lieben Gruss

    Ein Externer