Samstag, 18. November 2017

Kinder besuchen Polizeirevier: „Wow! Das ist cool.“

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Guten Tag!

Ladenburg, 07. November 2010. Am Donnerstag besuchten Kinder aus Neckarhausen das Polizeirevier in Ladenburg. FĂĽr alle ist das sehr spannend. Es gibt jede Menge Fragen, die Jugendsachbearbeiter Bernhard Schuhmacher problemlos „aufklären“ kann.

Von Anna Ewald

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Spannender und spaĂźiger Polizeieinsatz.

„Wow! Das ist ja cool!“ war am 4. November in der Ladenburger Polizeistation von vielen Kindern zu hören. Die 14 Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren kommen von der Kernzeit und Ferienbetreuung der Grundschule in Neckarhausen. Heute machen sie mit Jugendsachbearbeiter Bernhard Schuhmacher eine knapp zweistündige Tour durch das Ladenburger Polizeirevier und staunen nicht schlecht.

Die Tour beginnt im „Lehrraum“ der Polizei. Bernhard Schuhmacher erklärt die Arbeit der Polizei sehr geduldig und vor allem kindgerecht – es geht darum, „BerĂĽhrungsängste“ zu nehmen. Von: „Was ist eigentlich ein Straftäter?“ bis „WofĂĽr gibt es unterschiedliche MĂĽtzenfarben?“, klärte er jede Frage.

„Warum gibt es Uniformen?“ und andere Fragen.

„Stellt euch vor, der kleine Bernhard geht mit seinen Eltern auf den Weihnachtsmarkt und geht verloren! Was macht er dann um seine Mama wieder zu finden?“, so fängt der Jugendsachbearbeiter seine Geschichte zur Frage: „Warum gibt es Uniformen?“ an. „Er geht zur Polizei!“ ruft eines der Kinder begeistert.

Auf diese Weise wird jedes Thema den kleinen Mädchen und Jungs durch eine Geschichte nähergebracht, so wird auch mal von einem erfundenen Schokoladendieb im Neckarhausener Aldi erzählt.

Die Kinder hören aufmerksam zu, was durch eine kindgerechten Vortragsweise einfach ist und erzählen von sich und ihren Familien, denn Bernhard Schuhmacher geht auf jede einzelne Meldung der Kinder ein und hilft wo es noch Unklarheiten gibt.

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Spurensicherung: Bernhard Schuhmacher zeigt, wie man FingerabdrĂĽcke sichtbar macht.

Knifflige Fälle werden gelöst.

Den Kindern gefällt das sichtbar und beim Interesse kann man keinen Unterschied zwischen Jungs uns Mädchen erkennen. Sie machen alle begeistert mit und bereichern das „Lehrgespräch“ mit ihren eigenen Ideen, wie man manche kniffligen Fälle lösen kann.

Ein paar der Kinder waren schon einmal in der Polizei Ladenburg, denn die Kernzeitbetreuung organisiert häufig Exkursionen, auch mal bei der Feuerwehr, im Rathaus oder auf dem Hundeplatz. Trotzdem sind sie nicht gelangweilt, sondern lachen und melden sich fröhlich weiter.

Spurensicherung.

„Alle, die schon mal da waren, verraten den anderen jetzt nichts!“, flüstert der geduldige Jugendsachbearbeiter den unternehmungsfreudigen Kindern zu, als er anfängt aus seinem „Geheimkästchen“ unbekannte Dinge zu holen. Spannung macht sich breit, aber bald schon versteht jeder was vor sich geht. Fingerabdrücke werden sicher gestellt.

Das macht sichtlich SpaĂź – die Kinder dĂĽrfen ihre „sichergestellten“ FingerabdrĂĽcke mit nach Hause nehmen. Aber nicht nur das. Auch Handschellen werden mit einem freundlichen „Uffpasse!“ (Aufpassen!) einmal durch gereicht und auch eine Kugelschutzweste und die passende MĂĽtze darf von jedem, der will, anprobiert werden. „Ganz schön schwer“ bemerkte ein Junge. Aber es gibt auch das ein oder andere neue Topmodel, das mit Weste und MĂĽtze posiert wie ein richtiger Polizist.

Auf Streife.

Nicht nur „Theorie“ wird besprochen, denn jetzt geht es raus auf den Hof, wo die Kinder einen echten „Streifenwagen“ vorfinden. Alle drängeln sich darum, bis Bernhard Schuhmacher die Autotüren öffnet und jeder mal Probe sitzen darf. Und so steht auf dem Hof der Polizeiwache ein Polizeiauto mit rund fünf Kindern „beladen“. Das Staunen ist nicht zu übersehen, als die Blaulichter angehen und sich jeder wie ein echter Polizist fühlen kann.

Weiter geht-€™s in das „Gefängnis“. Ein paar der Kinder schauen skeptisch und nicht alle wollen mit rein. Bei anderen löst das Wort allerdings Neugierde aus. Die Gruppe, allen voran der Jugendsachbearbeiter, übrigens in echter, grüner Uniform, marschiert los in Richtung Arrestzellen.

AusnĂĽchterungszelle.

„Hier stinkts!“, ist die erste Bemerkung von einem der Jungs. Das ist auch kein Wunder, denn die Arrestzellen werden meistens als Ausnüchterungszellen gebraucht.

Als die Kinder die Zellen sehen, die nur mit einer Holzpritsche ausgestattet sind, wird ihnen ein wenig mulmig. Doch der verständnisvolle Jugendsachbearbeiter nimmt ihnen schnell die Angst: „ Kinder werden hier niemals eingesperrt!“

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Staunen in der Einsatzzentrale: So viele Telefone und Bildschirme.

Ein Mädchen aus der Gruppe, Paulina, antwortete auf die Frage, was ihr am besten gefallen hat: „Da wo er alles über das Gefängnis erzählt hat.“ Das hat also Eindruck hinterlassen.

Dann folgte noch eine kurze FĂĽhrung durch die restliche Wache, unter anderem die Zentrale, mit vielen Telefonen und Monitoren, die den lebhaften Kleinen imponieren.

Ihnen wird erklärt, für was jeder einzelne Hörer oder Bildschirm da ist, bis sie dann ihre wichtigsten Fragen, wie: „Wie viele Waffen gibt-€™s hier denn?“, stellen dürfen. Die kleine Talessa findet die Führung „ richtig lustig und spannend“ und besonders die Zentrale beeindruckt sie, wie sie mir ganz aufgeregt erzählt.

Am Ende verlassen alle bestens informiert die Wache. Und wer weiĂź, vielleicht wird ja der ein oder andere später auch ein Polizist – immerhin kennen sie sich jetzt schon richtig gut aus.

Zur Person:
Bernhard Schuhmacher ist Jugendsachbearbeiter bei der Polizei Ladenburg und das schon seit 1996. Vorher war er im gleichen Berufsfeld, für das ein besonderer Lehrgang vorausgesetzt wird, in Mannheim-Sandhofen von 1992 an tätig, bis er nach Ladenburg wechselte.

In seinen Aufgabenaufgabenbereich fallen hauptsächlich Jugendstraftaten, aber auch die Präventionsarbeit, zum Beispiel an Schulen, ist dem 53-Jährigen wichtig. Schuhmacher ist zudem immer „drauĂźen“ im Einsatz, wenn die Arbeit mit Jugendlichen gefragt ist, beispielsweise an „Halloween“.

FĂĽhrungen fĂĽr Kinder macht er natĂĽrlich auch, wie man sich am Donnerstag ĂĽberzeugen konnte. Hier zeigt er Kindern spielerisch und informativ, dass sie vor der Polizei „keine Angst“ haben mĂĽssen.

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Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • monika.hirsch

    Die Kernzeitbetreuung Neckarhausen sagt Danke für den schönen Bericht und die tollen Bilder.Monika Hirsch