Sonntag, 19. November 2017

Stadtbildpfleger Egon Lackner bewegt Technischen Ausschuss zum Umdenken

Toilettenhäuschen sorgt für Kontroverse

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Ladenburg, 06. Dezember 2013. (red/ms) Die katholische Kirche hat sich ein Vorhaben in den Kopf gesetzt und zeigte sich bislang wenig kooperationsbereit auf Kompromisse einzugehen: Bei der Galluskirche soll ein neues Toilettenhaus entstehen – soweit kein Problem. Der geplante Standort sorgte allerdings für Protest. Von Minh Schredle

Die Galluskirche liegt im Geltungsbereich der Altstadtsitzung. Darin ist festgelegt, dass Dächer mindestens eine Neigung von 45 Grad haben müssen – es gab aber schon einige Befreiungen davon.

Das Dach des Toilettenhäuschens soll nur um 28 Grad geneigt sein und sich an einem naheliegenden Gartenhäuschen orientieren, das die gleiche Dachneigung aufweist – so weit hat niemand Probleme, die Befreiung zu erteilen.

„Es muss eine bessere Alternative geben“

Beim Standort dagegen schon. Während die Stadträte wenig Bedenken äußern, meldet sich der Stadtbildpfleger Egon Lackner zu Wort, der als sachkundiger Bürger im Technischen Ausschuss zwar kein Stimmrecht hat, aber reden darf, so viel er will:

Ich bin das gestern Abend praktisch noch mal durchgegangen. Und kann das nicht gutheißen. Das Ding steht mitten im Blickfeld, da wird man sich nachher praktisch noch fragen, wie man das Ding da nur hinstellen konnte. Der Kirche geht es doch nur darum, dass sie die billigste Möglichkeit findet – die beste ist es aber nicht. Und nachdem man praktisch Millionenbeträge bereitgestellt hat für die Sanierung, können wir die allerbilligste Ausführung nicht billigen. Da muss es eine bessere Alternative geben! So etwas vor den Latz geknallt zu bekommen, ist eine Frechheit.

„Recht hat er!“, rufen einige der anwesenden Bürger. Wenngleich es wirklich anstrengend ist, dem alten Mann zuzuhören, der er sich in ewig langen Monologen verliert, dabei immer wieder bereits Genanntes wiederholt und das Wort „praktisch“ gebraucht als wäre es ein Komma. Trotzdem: Herr Lackner spricht regelmäßig wichtige Aspekte an, die sonst keiner bedenken würde.

Diskussion vertagt – trotz Zeitdruck

Und auch  in diesem Fall bewegt er den Technischen Ausschuss zum Umdenken. Es gibt eine kurze Diskussion. Dann interveniert Bürgermeister Ziegler:

Ich muss den Punkt zurückziehen, darüber können wir heute nicht auf die Schnelle entscheiden. Ich sehe, dass es große Ablehnung gegen das Vorhaben in dieser Form gibt, aber die Alternativen müssen sorgfältig bedacht werden.

Eigentlich wäre es dem Bürgermeister recht gewesen, wenn der Technische Ausschuss den Punkt behandeln würde – doch das ist aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Wie Herr Dr. Lutz (FDP) ansprach, sei eine Frist zu beachten:

Wenn Gemeinderat oder Technischer Ausschuss nicht rechtzeitig einen Entschluss treffen, gilt das Einvernehmen als erteilt – und das Häuschen wird dort gebaut, wo wir es nicht haben wollen. Diese Frist läuft ab, bevor die nächste Sitzung des Technischen Ausschusses ansteht – also sollte der Punkt im Gemeinderat behandelt werden.

Bürgermeister Ziegler ist alles andere als glücklich mit dem Zeitdruck. Er kommentiert:

Das wird verdammt eng.

Die Gemeinderatsitzung, in der die Entscheidung getroffen werden muss, findet am 18. Dezember satt. Nicht viel Zeit, um nach der bestmöglichen Option zu suchen. Zumal sich die Diskussionen mit der Kirchengemeinde in der Vergangenheit als schwierig herausgestellt haben – viele Anregungen und Alternativvorschläge zum Toilettenhäuschen sind auf taube Ohren gestoßen – man will sein „eigenes Ding“ durchziehen.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.

  • Marktplatz

    Haben sich die Gemeinderäte und die katholische Kirche denn mal überlegt, dass sie mit diesem Bauvorhaben einen zentralen Platz verschandeln? Sollte nach der Renovierung (welche uns schon einiges an Nerven ob des Lärms gekostet hat) nicht der Rundgang um die Kirche jederzeit geöffnet werden? Anwohnern wird die Aussicht verbaut…und das für die paar Kirchgänger am Sonntag? Oder soll dies eine öffentliche Toilette werden? Wer kommt dann für die Reinigungskosten auf?
    Davon abgesehen…die Stadtgastronomie bietet viele nette Toiletten an, im Michaelisheim gibts welche, in der Kirche auch (kann man gleich mit renovieren), Der Pfarrer hat ein riesen Haus und das Gemeindehaus gbt es auch noch. Vor langer Zeit gab es an dieser Stelle meines Wissens nach einen Friedhof. Herr Dr. Heukemes und Altbürgermeister Schulz drehen sich im Grabe um, was in der Altstadt so passiert. Oder will man bestimmten Personen eins auswischen?
    Lasst den Garten, welcher nach 100 Jahren Pacht einfach mal gekündigt wurde. Grüne Oasen sind wichtig!

  • Rita Mueller

    Pfarrer Belm ist unser Limburger. Seit er sein Amt angetreten hat wird wie wild gebaut und gegen Gesetze des Landes, des Anstands und des guten Geschmacks verstoßen. Die Wahl des Architekten bedeutete schon nichts Gutes.
    Die Frohe Botschaft, die die St. Gallus Gemeinde verkündet ist, dass es zwei völlig unnötige 4 Meter hohe Latrinen gibt, die keiner will oder braucht. Dafür wird ein Garten zerstört, wahrscheinlich ein alter Baum gefaellt und die BAsilika verschandelt.
    Der Technische Ausschuss, dessen Mitglieder an den kirchlichen Neubauten verdienen, winkt wie immer alles durch. Die an der Latrine beteiligten Firmen und Architekten sollten genannt und gemieden werden.

  • Marktplatz

    Was ist denn jetzt? Der 18.12. ist längst vorbei und man hört: nichts…tote Hose! Wird das jetzt stillschweigend ausgesessen oder ist dem Gemeinderat etwa doch mitgeteilt worden, dass es sehr wohl mehrere Einsprüche über Anwälte gab? Wollte man die vielleicht sogar unter den Tisch kehren?
    Wer diesem Bauvorhaben zustimmt, sollte bei der nächsten Wahl die Quittung bekommen!

    • Marktplatz

      Von einem betroffenen Anwohner wurde seit letzter Woche auf anderem Weg auf das Problem aufmerksam gemacht wie die Häuserwand verdeutlicht…
      Genau zum richtigen Zeitpunkt (Weihnachtsmarkt) stand doch recht viele Besucher vor dem Haus und wurden mit diesem Plakat darauf hingwiesen.