Montag, 22. Oktober 2018

Stadtbildpfleger Egon Lackner bewegt Technischen Ausschuss zum Umdenken

Toilettenhäuschen sorgt für Kontroverse

Print Friendly, PDF & Email

Ladenburg, 06. Dezember 2013. (red/ms) Die katholische Kirche hat sich ein Vorhaben in den Kopf gesetzt und zeigte sich bislang wenig kooperationsbereit auf Kompromisse einzugehen: Bei der Galluskirche soll ein neues Toilettenhaus entstehen – soweit kein Problem. Der geplante Standort sorgte allerdings für Protest. Von Minh Schredle

Die Galluskirche liegt im Geltungsbereich der Altstadtsitzung. Darin ist festgelegt, dass Dächer mindestens eine Neigung von 45 Grad haben müssen – es gab aber schon einige Befreiungen davon.

Das Dach des Toilettenhäuschens soll nur um 28 Grad geneigt sein und sich an einem naheliegenden Gartenhäuschen orientieren, das die gleiche Dachneigung aufweist – so weit hat niemand Probleme, die Befreiung zu erteilen.

„Es muss eine bessere Alternative geben“

Beim Standort dagegen schon. Während die Stadträte wenig Bedenken äußern, meldet sich der Stadtbildpfleger Egon Lackner zu Wort, der als sachkundiger Bürger im Technischen Ausschuss zwar kein Stimmrecht hat, aber reden darf, so viel er will:

Ich bin das gestern Abend praktisch noch mal durchgegangen. Und kann das nicht gutheißen. Das Ding steht mitten im Blickfeld, da wird man sich nachher praktisch noch fragen, wie man das Ding da nur hinstellen konnte. Der Kirche geht es doch nur darum, dass sie die billigste Möglichkeit findet – die beste ist es aber nicht. Und nachdem man praktisch Millionenbeträge bereitgestellt hat für die Sanierung, können wir die allerbilligste Ausführung nicht billigen. Da muss es eine bessere Alternative geben! So etwas vor den Latz geknallt zu bekommen, ist eine Frechheit.

„Recht hat er!“, rufen einige der anwesenden Bürger. Wenngleich es wirklich anstrengend ist, dem alten Mann zuzuhören, der er sich in ewig langen Monologen verliert, dabei immer wieder bereits Genanntes wiederholt und das Wort „praktisch“ gebraucht als wäre es ein Komma. Trotzdem: Herr Lackner spricht regelmäßig wichtige Aspekte an, die sonst keiner bedenken würde.

Diskussion vertagt – trotz Zeitdruck

Und auch  in diesem Fall bewegt er den Technischen Ausschuss zum Umdenken. Es gibt eine kurze Diskussion. Dann interveniert Bürgermeister Ziegler:

Ich muss den Punkt zurückziehen, darüber können wir heute nicht auf die Schnelle entscheiden. Ich sehe, dass es große Ablehnung gegen das Vorhaben in dieser Form gibt, aber die Alternativen müssen sorgfältig bedacht werden.

Eigentlich wäre es dem Bürgermeister recht gewesen, wenn der Technische Ausschuss den Punkt behandeln würde – doch das ist aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Wie Herr Dr. Lutz (FDP) ansprach, sei eine Frist zu beachten:

Wenn Gemeinderat oder Technischer Ausschuss nicht rechtzeitig einen Entschluss treffen, gilt das Einvernehmen als erteilt – und das Häuschen wird dort gebaut, wo wir es nicht haben wollen. Diese Frist läuft ab, bevor die nächste Sitzung des Technischen Ausschusses ansteht – also sollte der Punkt im Gemeinderat behandelt werden.

Bürgermeister Ziegler ist alles andere als glücklich mit dem Zeitdruck. Er kommentiert:

Das wird verdammt eng.

Die Gemeinderatsitzung, in der die Entscheidung getroffen werden muss, findet am 18. Dezember satt. Nicht viel Zeit, um nach der bestmöglichen Option zu suchen. Zumal sich die Diskussionen mit der Kirchengemeinde in der Vergangenheit als schwierig herausgestellt haben – viele Anregungen und Alternativvorschläge zum Toilettenhäuschen sind auf taube Ohren gestoßen – man will sein „eigenes Ding“ durchziehen.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.