Samstag, 18. November 2017

Gabis Kolumne

Wie To-Do-Listen den Alltag organisieren oder auch durcheinander bringen

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Guten Tag!

Ladenburg, 06. April 2010. To-Do-Listen helfen, das Leben zu organisieren. Von wegen, meint Gabi – sie sind mindestens genauso hilfreich, alles mächtig durcheinander zu bringen.

Haben Sie eine To-Do-Liste? Ich habe gleich mehrere und das macht mich manchmal ganz schön fertig.

To-Do oder auch "Tu es!".

Zunächst gibt es da meine persönliche „Räum-den-Schreibtisch-auf-Liste“. Da drauf gehört u. a. Überweisungen tätigen, das Einreichen von Rezepten bei der Kasse, das Abheften meiner Kontoauszüge und Rechnungen, die Kündigung von Abos oder Vereinszugehörigkeiten.

Die Telefonliste ist die schwierigste.

Dann habe ich eine Telefonliste. Wie oft verabschiedet man sich mit den Worten: „Ich ruf-€™ dich dieser Tage an.“ Nur bitte, wann? Vormittags bin ich bei der Arbeit, nachmittags kĂĽmmere ich mich um Kinder und Haushalt und bis ich mit allem fertig bin, habe ich weiĂź Gott keine Lust mehr, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Zumal schon allein die ganzen Geburtstagsanrufe einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine wirklich gute, alte Freundin möchte ich seit drei Monaten anrufen. Und je länger ich warte, umso länger wird auch das Gespräch ausfallen, das aber auch schon nach einem Monat Warterei eigentlich zu lang für meinen Zeitplan ist. Mit der Liste wächst also auch gleichsam mein schlechtes Gewissen.

Ich liebe meine Wäscheliste.

Dann gibt es eine Liste, die sich den hausfraulichen Pflichten widmet. Dazu gehört zum Beispiel ein Stapel mit Kleidungsstücken, die ausgebessert werden müssen. An Hemden fehlen Knöpfe, T-Shirts haben kleine Risse, Futtertaschen haben Löcher-€¦

Diese To-Do-Liste ist die unproblematischste: Dieser Stapel liegt ganz hinten in der Waschküche und ich muss gestehen, zuweilen sind die Kinder aus den Klamotten herausgewachsen, wenn ich mich endlich dazu aufraffen konnte, aktiv zu werden. 🙂

Auf dieser Liste finden sich auch die Punkte, die Schubladen im Regal des Abstellraums zu sortieren und die Küchenschränke auszuwischen.

Auf einer weiteren Liste stehen all-€™ die Bücher, die ich noch dringend lesen und die Filme, die ich auf keinen Fall verpassen möchte. Hier vermerke ich auch Theaterstücke und Ausstellungen, die ich im vergangenen Jahr allesamt nicht gesehen habe.

Problem-Liste.

Die Liste „Rund-ums-Haus“ hat außer meinem inneren Schweinehund noch ein weiteres Handicap eingebaut: Hierzu benötige ich meist die Hilfe meines Mannes.

Hier findet man so spannende Aufgaben, wie den Wasserhahn im Garten austauschen, die ausgeschlagenen Kühlschrankscharniere erneuern, Regale anbringen oder den Keller aufzuräumen. Für die Autos habe ich keine Liste: die macht mein Mann.

Denn hat man seine eigenen Verdrängungsstrategien mal überwunden, möchte man gerne Taten folgen lassen. Sprich, man steht am Samstagmorgen bereit und möchte nun umsetzen, was allzu lang aufgeschoben wurde. Doch siehe da, auch mein Herzallerliebster ist ein wahrer Verdrängungskünstler und schiebt, was meiner Meinung nach nicht mehr zu schieben ist.

Und was ist das Resultat? Richtig, es kracht. Mit „du wolltest doch“ und „wir hatten doch ausgemacht“ kommt man schnell ins Fahrwasser sich gegenseitig Versäumnisse der Verpflichtungen zuzuweisen. „Die Katzen hätten schon längst zum Impfen gemusst“, ist da ein gleich großes Vergehen wie „du wolltest doch den Rasenmäher reparieren“.

Und wie aus der Pistole geschossen, werfen wir uns die Listen um die Ohren, die wir jeweils fĂĽr den anderen erstellt haben. Und die sind ziemlich lange.

Nach einem reinigenden Gewitter und genügend Schmollzeit beginnen wir beide wieder mit dem „Abarbeiten“. Der Rasenmäher wurde repariert und die Katzen geimpft.

Doch kaum ist das eine oder andere von einer Liste gestrichen, wird, wie von Zauberhand, ein neuer Punkt ergänzt.

Und so hangeln wir uns von Liste zu Liste, von Punkt zu Punkt und die Zeit ist immer zu knapp.

Die To-Do-Liste ist die Lösung für die Probleme, die ich ohne sie nicht hätte.

Eine richtige Lösung habe ich dafür noch nicht gefunden.

Als Anregung sagte kĂĽrzlich eine Bekannte beim FrĂĽhstĂĽck, sie habe auf dem „Schwarzen Brett“ im Supermarkt gelesen: „Mann fĂĽr alle möglichen Arbeiten zu vermieten“.

„Das ist doch die Lösung“, sagte und hoffte sie, kĂĽnftig den samstäglichen Streit mit ihrem Mann zu vermeiden.

Na, ob sie sich da nun mal nicht täuscht.

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.