Donnerstag, 20. September 2018

Bauunternehmer Salinger: „Mir ist ein großer Schaden entstanden – aber ich habe auch viel gewonnen.“

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Ladenburg, 06. Oktober 2011. (red) Der Prozess um den Bebauungsplan im „Quartier“ ist entschieden. Die neuerliche Klage einiger Gewerbetreibender wurde abgewiesen. Zwischen die Fronten der streitenden Parteien Stadt Ladenburg und Gewerbetreibende geriet der Bauherr Michael Salinger (ses GmbH). Bedingt durch Baustopps und Anwaltskosten hat er eine halbe Million Euro verloren und muss nun seinerseits vermutlich klagen, um wenigstens einen Teil des Schadens ersetzt zu bekommen. Im Gespräch schildert Michael Salinger, was so ein Prozess für Folgen hat und wie er damit umgegangen ist.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Salinger, das Verfahren ist abgeschlossen, die Klage gegen Ihre Bebauung im „Quartier“ ist abgewiesen. Haben Sie schon schmal einen solch langen Prozess erlebt?

Michael Salinger: „So was hab ich noch nie erlebt und kenne ich auch nicht woanders.“

Schildern Sie doch mal den Ablauf aus Ihrer Sicht.

Salinger: „Wir sind davon ausgegangen, dass alles seine Ordnung hat. Es gab einen gültigen Bebauungsplan, wir hatten die Baugenehmigungen, dann kam der erste Prozess und ein fünfmonatiger Baustopp.“

Michael Salinger ist froh, dass er nun endlich weiterbauen kann. Seine Kunden warten dringend auf die Fertigstellung der Häuser.

Sehr ärgerlich für Sie, aber auch für Ihre Kunden.

Salinger: „Das können Sie laut sagen – ohne deren Solidarität hätte ich das Verfahren nicht überstanden.

Erklären Sie das bitte.

Salinger: „Ich habe aktuell einen Schaden von rund einer halben Million Euro. Die Banken haben enorm Druck gemacht, mir stand das Wasser bis zum Hals. Die Kunden hätten von den Verträgen zurücktreten können, das haben sie aber nicht gemacht. Auch Handwerker haben mir Rechnungen gestundet, Freunde haben mir privates Kapital geliehen, damit ich über die Prozessphase komme. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.“

Nach dem ersten Baustopp ging es weiter, dann kam die nächste Klage. Wie hält man das aus?

Salinger: „Mit viel Kampfgeist und der oben beschriebenen Solidarität und der Unterstützung der Familie. Es war extrem belastend. Auch meine Mitarbeiter möchte ich gerne für ihren Einsatz loben, die haben mir den Rücken freigehalten, denn ich war überwiegend mit diesem Prozess beschäftigt.“

Der nicht gegen Sie lief, die klagenden Betriebe hatten die Stadt und das Land verklagt.

Salinger: „So gesehen richtig, aber mir ist der Schaden entstanden.“

Bekommen Sie den geregelt?

Salinger: „Das wird sich zeigen. Ich hoffe, dass für den ersten Teil die Stadt über ihre Versichung aufkommt. Denn der Fehler lag ja eindeutig dort. Ich musste mich auf die Stadt verlassen. Die Fehler wurden „geheilt“, da wurde gute Arbeit geleistet. Trotzdem ist mir durch den neuerlichen Baustopp ebenfalls ein Schaden entstanden, den die Kläger vermutlich nicht tragen müssen – die hätten sich sonst die Klage wohl überlegt. Darüber werde ich mit meiner Versicherung vermutlich ebenfalls streiten müssen.“

Also sind die Prozesse nicht vorbei?

Salinger: „Vermutlich kommt es zu Folgeprozessen. Aktuell bin ich froh, dass wir die Gebäude fertig stellen und die Käufer einziehen können – auch die waren natürlich belastet.“

Wie hoch waren die Anwaltsgebühren?

Salinger: „Knapp 100.000 Euro.“

Wie verstehen Sie das Urteil?

Salinger: „Es wurde festgestellt, dass die Planungshoheit bei der Gemeinde liegt. Das ist ein gutes Ergebnis, sonst kann man städtebaulich nichts entwickeln.“

Haben Sie Verständnis für die klagenden Betriebe?

Salinger: „Ganz ehrlich? Ich bin froh, dass dieser Teil rum ist. Was ich nicht verstanden habe ist – die Betriebe haben eine Bestandsgarantie, müssen also keine „Vertreibung“ fürchten. Alles ist geregelt und das Argument mit der Erweiterung ist ein wenig kurios – es gibt ja gar keine Flächen dafür.“

Gibt es auch positive Erfahrungen?

Salinger: „Wenn Sie feststellen, dass Sie in einer sehr schwierigen Lage sind und eine großartige Unterstützung erhalten, von Menschen, die zu einem stehen, dann ist das sehr aufbauend. Und man ist hinterher ein anderer Mensch.“

Wann werden die Bauten fertig?

Salinger: „In der Aufeldstraße bis Anfang Dezember, die „Vogelbebauung“ bis Februar 2012 und die restliche Bebauung Siemensstraße zwischen Juli bis November 2012.“

Haben Sie schon alles verkauft?

Salinger: „Fast, es gibt noch eine Wohnung, vier Doppelhaushälften und zwei Reihenhäuser, die zum Verkauf stehen.“

Werden Sie künftig noch mit der Stadt Ladenburg zusammenarbeiten?

Salinger: „Selbstverständlich – ich mache niemandem einen Vorwurf. Das war ein sehr kompliziertes Verfahren, Bürgermeister Ziegler und seine Verwaltung haben einen guten Job gemacht. Ich sehe das positiv, sogar für alle. Die klagenden Firmen haben ihren Bestandschutz erreicht, also einen Erfolg. Die Stadt hat einen gültigen Bebauungsplan und viel gelernt. Und ich kann weitermachen. Und weitere Klagen sind nicht zu befürchten“

Respekt für ihre Gelassenheit. Was bleibt noch?

Salinger (lacht): „Viel Erfahrung – meine Firma feiert zwar nächstes Jahr 20-jähriges Jubiläum, aber einen solchen „Intensivkurs“ hatte ich noch nie. In Zukunft werde ich sehr viel vorsichtiger sein und weiß viel besser, auf was man alles achten muss.“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.