Mittwoch, 17. Januar 2018

Entwicklungsminister Niebel

Sexismus gibt es auch gegen Männer – meint Niebel

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Heidelberg/Rhein-Neckar, 04. Februar 2013. (red/cm) Im Zuge der aktuellen Sexismus-Debatte hat sich Dirk Niebel (FDP, Wahlkreis Heidelberg-Weinheim), Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in einem Gespräch mit der „Welt“ geäußert. Hinsichtlich der aktuell laufenden Debatte betonte der Minister, dass es Sexismus auch gegen Männer geben würde. Im Gegensatz zu Sexismus gegen Frauen werde darüber aber kaum gesprochen.

Von Christian Mühlbauer

Dirk Niebel (FDP) meint, auch Männer seien von Sexismus betroffen und das werden nur „verschämt“ behandelt. Archivbild: hirschbergblog.de

Die aktuelle Sexismus-Debatte führt zu vielfältigen Meinungen, nicht nur unter dem Twitter-Hastag #aufschrei. Auch Dirk Niebel, Bundesminister und FDP-Abgeordneter des Wahlkreis Heidelberg-Weinheim, hat sich gegenüber der „Welt“ zur aktuellen Sexismus-Debatte geäußert. Gegenüber der Zeitung brachte er die Forderung zum Ausdruck, dass es auch eine Debatte über „Sexismus gegen Männer“ geben müsse.

Diese Art Sexismus existiere nämlich ebenfalls, gleichwohl werde darüber jedoch „kaum gesprochen“. Insgesamt werde dieser Themenkomplex „extrem verschämt behandelt“, so Niebel gegenüber der „Welt“. Er selbst habe bereits erste Maßnahmen nach den Sexismus-Vorwürfen gegen den Rainer Brüderle, Fraktionschef der FDP, getroffen.

Bei Interviews mit Journalistinnen sei nicht mehr nur sein Pressesprecher, sondern auch eine weibliche Mitarbeiterin anwesend. Wie Niebel gegenüber der „Welt“ betonte, wolle er an diesem Vorgehen vorerst auch nichts ändern. Ein Interview mit der Journalistin Laura Himmelreich, welche die Sexismus-Debatte durch Ihren Artikel über Rainer Brüderle angestoßen hatte, habe er aufgrund mangelnder Vertrauensbasis abgesagt.

Gegenüber der „Welt“ warnte der Bundesminister vor einer Situation, die vergleichbar zu den USA werde. Dort könne man als Mann einen Fahrstuhl nicht betreten, wenn eine Frau darin allein unterwegs ist. Eine ähnliche Entwicklung befürchtet Niebel offenbar in Deutschland. Man bekäme es mit „einer anderen Republik zu tun“, wenn man an einer Bar, abends nach einem Parteitag, aus einem freien Gespräch Konsequenzen fürchten müsse. Schließlich werde dort nicht alles „druckreif formuliert“ und das Gesagte könne „falsch verstanden werden“.

Hinweis: Lesen Sie auch unseren Gastbeitrag der Mainpost-Journalistin Gisela Rauch zum Thema.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Hi!

    Es ist schon erstaunlich, wie hitzig diese Debatte gerade allgemein geführt wird. Und auch mein Freund und ich diskutieren drüber, man kommt an dem Thema ja grade mal überhaupt nicht vorbei…

    Ich finde, gerade hierzulande wird das Thema teilweise viel zu sehr aufgebauscht. Was hat der Brüderle an der Bar gesagt? Die Journalistin „fülle das Dirndl aber wirklich mal gescheit aus“ oder so etwas in der Art? War das alles (ich habe das jetzt nicht soooo genau mitverfolgt)? O.o
    Also für mich fällt das in die Kategorie „Sprüche und Zoten“ und er hat besagte Dame ja damit meines Erachtens auch nicht beleidigt. Ich hätte da glaube am ehesten mit Sarkasmus drauf reagiert. Und ich reiße auch ganz schön viele Sprüche, auch mal sexistische, über die Männerwelt…
    😉 Schlimmer fände ich es, wenn der Brüderle gesagt hätte: Ey Mädel, Du siehst voll SCHEISSE aus, das Kleid steht Dir mal so ÜBERHAUPT NICHT… 😀

    Und wir Frauen kokettieren doch auch gern mal mit unseren Reizen (warum auch nicht?) – ich freue mich schon auch mal über ein Kompliment. In Einzelfällen entscheiden aber dann doch der Tonfall irgendwie und die Wortwahl. Beispiel: 2 Männer wollen einer Frau sagen, daß sie gut aussieht. Mann Nr 1 sagt: Du siehst heute wirklich wunderschön aus! -> Frau freut sich höchstwahrscheinlich darüber. Mann Nr 2 sagt: Mann, was bist Du für ein heißes Gerät! -> Frau freut sich VIELLEICHT drüber – oder auch nicht, weil sie ja in diesem Moment ihrer Meinung nach zu einem reinen Sexobjekt degradiert wird und das nicht OK findet. Die Grundaussage ist aber für mich dennoch irgendwo die Gleiche (erstere Formulierung ist nur höflicher und respektvoller). Und die Frauen reagieren eben auch unterschiedlich auf sowas. Wo zieht man da die Grenze? Für mich kommt es zB drauf an, WER mir so etwas sagt. Das betrifft beide oben genannten Formulierungen gleichermaßen. Wenn ich diesen Menschen selber absolut gruselig finde, dann kann der sagen, was er will – mich schüttelt es trotztdem innerlich und ich freue mich NICHT drüber (sondern suche das Weite). Da kommt es auch sehr auf die Sympathie an, man legt Aussagen von Leuten doch auch ganz anders aus, wenn sie einem sympathisch sind auf Anhieb. Da gibt es ganz viele kleine Nuancen, die darüber entscheiden , ob man nun jemanden nett findet oder aufdringlich.

    Echter Sexismus hierzulande äußert sich für mich dann doch anders.Warum zB verdienen Frauen im Berufeben immernoch bis zu 25% weniger als Männer für exakt die gleiche Tätigkeit? Warum zahlt FRAU beim Friseur erheblich mehr als der MANN, wenn sich beide genau den gleichen Haarschnitt verpassen lassen? So etwas geht mir nicht in den Kopf.

    Ganz anders sehe ich die Lage in Ländern wie Pakistan, Indien oder Afghanistan, wo die Frauen teilweise massiven Übergriffen durch die Männerwelt ausgesetzt sind, sich verschleiern müssen, unterdrückt werden usw… Die Zustände dort sind meiner Meinung nach mal echt der Oberhammer und nicht vergleichbar mit Deutschland.
    Ich bin ehrlich gesagt sehr froh darüber, hier in D zu wohnen, wo ich mich einigermaßen sicher und frei draußen bewegen kann und wo mir Grundrechte nicht abgesprochen werden, nur weil ich weiblich bin.

    Natürlich ist auch unser Land nicht ganz frei von Kerlen, die denken, FRAU sei Freiwild und sei selbst daran schuld, daß sie vergewaltigt werde, wenn sie sich zu freizügig kleide. Das ist natürlich mal absoluter Bullshit und echt widerlich. Und ich mag Machos im Allgemeinen auch nicht so, da fühlt man sich, als sei man in der Steinzeit gelandet teilweise. 😉

    Und ja, auch Männer werden diskriminiert und FRAU ist auch nicht immer nur das Opfer. Manche Frauen gehen mit viel Kalkül vor, um zB mit ihren Reizen Männer in prekäre Situationen zu bringen – und sie dann hinterher gnadenlos bloßzustellen oder auszunehmen. Und bei häuslicher Gewalt ist mitnichten immer nur der Mann der Täter! Das Beispiel mit dem Fahrstuhl finde ich zudem auch reichlich absurd… O.o

    Dunkle Grüße!
    Melle