Montag, 20. August 2018

„Eine trockene Schaurinne wollen wir nicht haben“

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Ladenburg, 04. Mai 2011. (red) Im Rahmen des dritten Sanierungsgebietes „StadteingĂ€nge“ wurde die Arbeitsgemeinschaft der Architekten Medelsky und Borkowski unter anderem mit der Überplanung der Hauptstraße zwischen Marktplatz und Schriesheimer Tor, im Bereich „Olive“ und „Elektro Friedrich“, beauftragt. Besonderes Thema sollte hierbei die Öffnung des Bachbettes sein, die noch im laufenden Programmjahr umgesetzt werden mĂŒsste, da die Förderung aus Sanierungsmitteln in diesem Jahr auslĂ€uft und die bestehende BachĂŒberdeckung in diesem Bereich des „Schriesheimer Viertels“ sich in einem sehr schlechten Zustand befindet, erlĂ€uterte BĂŒrgermeister Rainer Ziegler in der Gemeinderatssitzung vom 20. April 2011.

Von Sabine Prothmann

„Das jĂ€hrliche Flicken ist keine Lösung und mit einem enorm hohen Aufwand verbunden“, so Ziegler. Zudem sei der schlechte Zustand der BachĂŒberdeckung extrem verkehrsgefĂ€hrdend.

Die vorliegende Konzeption sieht vor, das Bachprofil – wo es möglich ist – zu öffnen oder entsprechend dem ursprĂŒnglichen Bestand wiederherzustellen. Die Bereiche, die im Hinblick auf notwendige Überfahrten beziehungsweise ÜbergĂ€nge oder aufgrund sonstiger Nutzungen nicht dauerhaft offen bleiben können, sollen wieder mit Sandsteinplatten oder mit ĂŒberfahrbaren Metallgittern abgedeckt werden. Um das neue Erscheinungsbild weitgehend sicht- und erlebbar zu machen, sollen die bisher auf der Bachseite befindlichen ParkplĂ€tze auf die gegenĂŒberliegende Straßenseite verlagert werden.

Eine mögliche WasserfĂŒhrung im wiederhergestellten Bachprofil sollte zunĂ€chst nicht diskutiert werden, war aber schnell Gegenstand der Debatte im Gemeinderat.

Die Kosten werden laut BĂŒrgermeister auf 60.000 bis 80.000 Euro geschĂ€tzt. Ziegler baut dabei auf öffentliche Fördermittel, die rund 60 Prozent der Kosten decken sollen. Die restliche Summe sei ĂŒber die Mittel, die im Haushalt fĂŒr die neuen Abdeckungen zur VerfĂŒgung stehen, gesichert.

„Dreckloch mit Folgekosten“

Es könne nicht sein, dass man ein „Dreckloch mit entsprechenden Folgekosten“ schaffe, erklĂ€rte Stadtrat Gerhard Kleinböck (SPD) und wĂŒnschte sich eine konkretere Vorlage.

Stadtrat Dr. Peter Hilger (FW) beurteilte den Vorschlag der Verwaltung sehr positiv, die AufhĂŒbschung des Schriesheimer Viertels könne man so mit geringen eigenen Finanzen realisieren. „Diese Lösung hat einen gewissen Charme.“

„Eine trockene Schaurinne wollen wir nicht haben“, betonte Alexander Spangenberg (GLL). Auch wenn das Projekt finanziell interessant sei.

Diese Maßnahme sorge fĂŒr mehr AttraktivitĂ€t des Schriesheimer Viertels, erklĂ€rte Wolfgang Luppe (FDP). Damit greife man auch eine Idee des Stadtmarketings auf.

„Es soll Wasser laufen.“

Auch Luppe wollte die Option, den Bachlauf mit Wasser zu fĂŒllen, das Bachbett „nur trocken zu zeigen, gefĂ€llt mir nicht, es sollte Wasser laufen“.

„Heute geht es hier um einen Grundsatzbeschluss und nicht um die Details“, betonte der BĂŒrgermeister.

„Wir mĂŒssen dieses Jahr mit den Maßnahmen noch beginnen, um die Förderung zu bekommen“, erklĂ€rte Ziegler.

Aber auch StadtrĂ€tin Ilse Schummer unterstrich, hier mĂŒsse man den Bach und nicht nur ein Kiesbett sehen.

„Charme hat das nur mit Wasser“, sagte auch Gudrun Ruster (FW). Zudem gefalle ihr die vorgeschlagene Lösung der Parkplatzsituation, dass man alle ParkplĂ€tze auf einer Straßenseite anordnen wolle, ganz und gar nicht.

Stadtrat Steffen Salinger unterstrich, dass der technischer Aufwand sehr hoch sei .Man mĂŒsse sich ĂŒber die Folgekosten eines kĂŒnstlichen Wasserlaufes klar werden, erklĂ€rte Salinger. Eine vernĂŒnftige Sanierung der Straße und der Fassaden steigere die AttraktivitĂ€t des Viertels erheblich mehr als die alleinige Öffnung des Bachbetts.

Stadtrat Dr. Meinhard Georg gab den schlechten Zustand der BachĂŒberdeckung zu bedenken, „was fĂ€llt am meisten auf, das, was verrottet ist“.

Der Beschlussvorschlag sah vor, den vorliegenden Gestaltungsentwurf zustimmend zur Kenntnis zu nehmen und die Verwaltung zu beauftragen, diesen Entwurf mit den Anwohnern, Hauptstraße 54 bis 58, abzustimmen und ihn danach in modifizierter Form dem Gemeinderat mit einer ausgearbeiteten KostenschĂ€tzung erneut vorzulegen. Auf Vorschlag von Stadtrat Luppe sollte dies noch mit der Option der WasserfĂŒhrung ergĂ€nzt werden.

Bei sechs Enthaltungen und ohne Gegenstimmen wurde der Beschlussvorschlag angenommen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.