Samstag, 18. August 2018

Keine dienstliche Verfehlung des CBG-Rektors Günter Keller festgestellt

Dienstaufsichtbeschwerde als „unbegründet zurückgewiesen“

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Der CBG-Rektor Günter Keller hat sich kein dienstliches Vergehen zu Schulden kommen lassen, sagt das Regierungspräsidium.

 

Ladenburg/Karlsruhe, 04. Februar 2014. (red) Mannheimer Morgen, Rhein-Neckar-Zeitung und Ladenburger Zeitung wollten gerne einen Skandal herbeischreiben. Hat CBG-Rektor Günter Keller seine Dienstpflichten verletzt? Dieser Auffassung ist Beate Stumpf, bis vor kurzem Vorsitzende des Fördervereins der Schule und reichte Dienstaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium ein. Doch die Rechtsprüfung des Regierungspräsidiums hat keine „dienstlichen Verfehlungen“ feststellen können und teilte das am Freitag den 31. Januar mit. Tatsächlich legen die Eltern der Schülerin ein ausgeprägtes „Schutzverhalten“ an den Tag.

Von Hardy Prothmann

Günter Keller ist sichtlich erleichtert und trotzdem hat ihn die Angelegenheit mitgenommen:

Wissen Sie, man ist so einer Sache schutzlos ausgeliefert. Hier wird einseitig berichtet und man wird an den Pranger gestellt. Sachliche Kritik ist in Ordnung, aber nicht mit diesem Zungenschlag.

Der Rektor erinnert sich: Am 18. Februar 2013 erschien die Tochter der Beschwerdeführerin in Sportkleidung zum Sportunterricht. Der Sportlehrer, gegen den die Eltern ebenfalls Dienstaufsichtsbeschwerde einlegten, wollte eine Prüfung abnehmen – mit abiturrelevanter Note. Daraufhin erklärte die Schülerin, sie könne wegen einer Erkrankung nicht teilnehmen und lieferte drei Tage später ein Attest ab, das zurückdatiert war.

Zurückdatiertes Attest als „ungewöhnlicher Vorgang“

Diesen Vorgang fand der Rektor „ungewöhnlich“ und schickte eine email an die Ärztekammer in Heidelberg. Darin bat er höflich um eine Stellungnahme zum „Verhalten des Arztes“. Im Anschluss habe dann die Staatsanwaltschaft ermittelt – weswegen weiß der Rektor nicht. Nach unseren Recherchen wurde gegen den Arzt wegen „Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse“ ermittelt. Die Ermittlung, auch gegen die Schülerin wegen „Anstiftung“, wurde im Oktober 2013 eingestellt, da „medizinisch induzierte“ Hinweise gefunden wurden und ein Vergehen nicht nachgewiesen werden konnte. Wie auch.

Die Schülerin legte in der ersten Jahreshälfte 2013 ihr Abitur ab. Am 20. Dezember ging die Dienstaufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium ein. Laut Bericht der Zeitungen von beiden Eltern, also Beate Stumpf und Christian Scharff, die beide als „Journalisten“ arbeiten. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit scheint aber Public Relations zu sein – also Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen, was ungefähr das Gegenteil von Journalismus ist.

Beate Stumpf erklärte dem Ladenburger „Journalisten“ Axel Sturm, der RNZ und LZ bedient, sie sei als Vorsitzende des Fördervereins der Schule zurückgetreten, weil das Verhältnis zwischen dem Rektor und ihr durch die Dienstaufsichtsbeschwerde „belastet“ sei. Der Mannheimer Morgen betitelte einen Artikel des Redakeurs Klaus Backes: „Da blieb mir nur der Rücktritt“. Die Frage, welche Motivation die Frau hatte, erst rund neun Monate später eine Dienstaufsichtsbeschwerde nach dem Einstellen der staatsanwaltlichen Ermittlungen einzureichen, ist den Zeitungen nicht eingefallen. Auch nicht, warum Frau Stumpf die Öffentlichkeit nicht darüber informiert hat, dass gegen ihre Tochter ermittelt wurde.

Ungeprüfte Aussagen

Die Zeitungen übernehmen ungeprüft andere Angaben der Beschwerdeführerin. So gibt sie an, es habe zuvor einen „regen Austausch“ zwischen ihr und Herrn Keller gegeben. Der Rektor sagt: „Wir hatten Kontakt, aber rege war der nicht.“ Und bis heute, also sieben Wochen nach Einreichung der Dienstaufsichtsbeschwerde, hat Frau Stumpf den Rektor nicht über ihren Rücktritt informiert. Geht so ein „reger Austausch“? Ist ein Rücktritt nach „Wochen“ tatsächlich „konsequent“, wie die Zeitungen „verständnisvoll“ schreiben? Oder geht es darum, gegen den Rektor irgendeine „Rechnung zu begleichen“? Dazu äußern sich die ehemalige Vereinsvorsitzende und die Zeitungen nicht.

Interessant ist das Verhalten von Christian Scharff aber allemal. Während die Eltern also ihre Dienstaufsichtsbeschwerde vor einer Beurteilung durch das Regierungspräsidium in die Öffentlichkeit bringen, hatte man zu anderer Zeit kein Interesse an „Öffentlichkeit“ und drohte sogar mit dem Anwalt.

Wir hatten im Zuge von Polizeikontrollen gegen jugendliche Rucksacktrinker am Rande des Drachenbootfestivals eine solche Kontrolle begleitet und ein dokumentarisches Situationsfoto gemacht, als die Polizei mehreren Jugendlichen auf dem Hof der Dalberg-Grundschule einen Platzverweis erteilte und Alkoholika, auch harte, einsammelte sowie Zigaretten abgenommen hatte. Dieses Foto veröffentlichen wir mit dem Bericht. Zu sehen waren darauf mehrere Jugendliche und Polizisten im öffentlichen Raum. Und eine der Jugendlichen war die Tochter der Eltern Stumpf/Scharff.

Christian Scharff droht mit „juristischen Schritten“

Herr Scharff schickte uns kein Attest, sondern ein Fax mit der Aufforderung, das Foto umgehend zu löschen. Er nehme das Persönlichkeitsrecht seiner minderjährigen Tochter wahr. Sollten wir nicht löschen, würde er umgehend anwaltlich gegen uns vorgehen. In Abwägung der Umstände haben wir uns für eine Löschung entschieden, da wir einen unnötigen Rechtsstreit vermeiden wollten und anderes Fotomaterial den Vorgang ausreichend bebilderte.

Die Argumentation, einmal die Tochter L. bewusst aus der Öffentlichkeit herauszuhalten und ein anderes Mal bewusst eine Öffentlichkeit herzustellen, muss man auf Anhieb nicht verstehen. Außer, man versteht das Prinzip. Geht es möglicherweise um den eigenen Ruf, will man ihn unter allen Umständen auch juristisch schützen, geht es um den Ruf von anderen, ist man zu allem anderen bereit. Unterstützt von den „Kollegen“ von der Presse. Man kennt sich natürlich.

Ob die Zeitungen gewillt sind, auch über den Ausgang der Dienstaufsichtsbeschwerde zu berichten, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden sie das Rucksacktrinken auf dem Grundschulgelände, an dem die frühere Schülerin teilgenommen hatte, nicht thematisieren. Schon gar nicht, weil auch mindestens ein Vertreter des Jugendgemeinderats daran beteiligt war.

Wenn die Zeitungen nicht nur auf die schnelle Nachricht gesetzt hätte, wäre auch nicht die Behauptung in die Welt gesetzt worden, der Rektor habe Anzeige gegen den Arzt und die Schülerin erstattet. Günter Keller hatte lediglich die Ärztekammer gebeten, den „ungewöhnlichen“ Vorgang zu prüfen und Stellung zu nehmen.

Am 29. Januar berichtete die RNZ, am 30. Januar der MM und am 31. Januar die LZ. Ebenfalls am 31. Januar teilte das Regierungspräsidium mit, dass keine Dienstpflichtverletzung festgestellt werden konnte. Günter Keller, seit 1981 Lehrer, seit 2008 Rektor des CBG nahm den Ausgang zwar in der Sache beruhigt zur Kenntnis. Die Kampagne der Zeitungen aber empört ihn noch Tage danach.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.