Sonntag, 19. November 2017

Hintergrund: Das Ballonfestival, die Protagonisten und ihr Streit

Print Friendly, PDF & Email

Die Artikel wurde ĂŒberarbeitet: Siehe Bild und Ende des Textes.

Ladenburg, 03. MĂ€rz 2010. Der Streit um das Ballonfestival in Ladenburg hat vielfĂ€ltige HintergrĂŒnde. Wir dokumentieren die Aussagen der Verantwortlichen.

Von Hardy Prothmann

Der Streit um das Ballonfestival hat drei Seiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Dokumentation: Zuerst hatten wir ein Ballonbild aus dem Pressebereich von heidelberg-ballon verwendet - angeblich hÀtten wir das nicht gedurft... Quelle: heidelberg-ballon

Michael Bering ist Ballonfahrten-Unternehmer und sozusagen der Initiator des Ballonfestivals im Jahr 2005 zum damaligen GrĂŒnprojekt. Seither hat sich das Ballonfestival prĂ€chtig entwickelt und gilt nach fĂŒnf Jahren im Veranstaltungskalender der Region als „feste GrĂ¶ĂŸe“.

Im GesprĂ€ch erklĂ€rt Bering, dass er als Unternehmer bislang das Festival als Marketing-Instrument gesehen hat, aber durch die zunehmende GrĂ¶ĂŸe mittlerweile auch seine erheblichen Investitionen zurĂŒckfließen mĂŒssten. Ein Standpunkt, den man aus Sicht eines Unternehmers nachvollziehen kann.

Image, Unternehmertum, Vereinsförderung

Die Stadt Ladenburg, vertreten durch ihren BĂŒrgermeister Rainer Ziegler, hat die Infrastruktur bereitgestellt: Strom, Wasser, Abfallentsorgung beispielsweise. Sie profitiert einerseits von der hohen Aufmerksamkeit, die ein gutes Image fördert.

Auf der anderen Seite bleiben ihr ĂŒberwiegend Kosten fĂŒr die Dienstleistungen. In Zeiten knapper Kassen gibt es nicht unbedingt ein besonderes Interesse, fĂŒr Kosten zu kĂ€mpfen, weswegen Herr Ziegler die Absage Berings bedauert, aber auch nicht mehr. Ein Standpunkt, den man aus Sicht eines Verwaltungsbeamten nachvollziehen kann.

Herbert Rittlinger ist langjĂ€hriger Abteilungsleiter Fußball beim LSV Ladenburg. Eine „Vereinsförderung“ durch die Stadt gibt es nicht wirklich. TatsĂ€chlich aber schon. Die Vereine erhalten exklusive Catering-Rechte, dĂŒrfen also GĂ€ste „bewirten“.

Monopol als Mittel der Vereinsförderung.

So die Fußballer des LSV beim Ballonfestival. Bei rund 20.000 Besuchern, die essen und trinken wollen, kommt da schon einiges an Geld zusammen. Rittlinger und der Förderverein fĂŒhlen sich von Bering unter Druck gesetzt, weil der gerne einen professionellen Caterer beschĂ€ftigen wĂŒrde. Damit wĂ€re das Monopol des LSV dahin, was der Verein nicht will. Ein Standpunkt, den man aus Sicht eines Vereins nachvollziehen kann.

Michael Bering stellte dieses Monopol in Frage, was sich Herbert Rittlinger nicht gefallen lassen will. BĂŒrgermeister Ziegler sitzt „zwischen den StĂŒhlen“, wird sich aber im Zweifel – wie geschehen – fĂŒr die LSV entscheiden.

Großes Einzugsgebiet: Bering muss nicht in Ladenburg starten. Bild: heidelberg-ballon.de

Die hat gut 2.000 Mitglieder und ist das ganze Jahr vor Ort und Teil der Stadt – Bering macht nur einmal im Jahr ein Festival an drei Tagen, das zwar gut fĂŒrs Image ist, aber die Kasse der Stadt belastet.

Rainer Ziegler betont denn auch im GesprĂ€ch, dass er beide Seiten versteht: „Ich habe von der Absage aus der Zeitung (MM) erfahren“, sagt Ziegler auf Anfrage. Der BĂŒrgermeister betont die „erheblichen Leistungen“ der Stadt, findet das Festival aber toll, hat die „Rollenverteilung“ initiiert. Und sagt: „Es gab auch kritische Stimmen, aber die LSV hat jedes Jahr dazu gelernt.“

Verein vs. Unternehmer

Er sei aber auch nicht der Anwalt der LSV: „Wenn viele Menschen gleichzeitig versorgt werden wollen, dann muss man das leisten.“ FĂŒr den „technischen Dienstleister“ Michael Bering hat er VerstĂ€ndnis: „Es ist nicht mehr so einfach, Gelder ĂŒber Sponsoring zu bekommen, da muss man sich was einfallen lassen. Dass andere Wege der Finanzierung gesucht werden, verstehe ich.“ Andererseits: „Wir wollen die LSV halten.“

Und: „Irgendwann sind auch die KapazitĂ€ten erschöpft. Man darf das nicht ĂŒberfrachten. Es geht hier auch um Stil und QualitĂ€t. Unsere Infrastruktur hat Grenzen.“ Und: „Die Rollenverteilung ist klar.“

Der BĂŒrgermeister sagt: „Wir wollen dieses attraktive Ballonfestival, aber wir wollen die LSV nicht schwĂ€chen. Bis auf wenige Ausnahmen darf kein anderer Caterer rein. Ich habe die Entscheidung von Herrn Bering zu akzeptieren – er stellt Forderungen, weil er das Geld braucht, aber ich muss darauf achten, was fĂŒr die Neckarwiese vertrĂ€glich ist. Leider hat Herr Bering das GesprĂ€ch abgebrochen.“

Was genau die Kosten sind, ist von Seiten der Stadt Ladenburg nicht ausgerechnet worden.

Michael Bering sieht das anders: „Die UnterstĂŒtzung der Stadt Ladenburg fĂŒr den LSV halte ich fĂŒr eine gute Sache. TatsĂ€chlich habe ich Angebote ĂŒber mehr als das Doppelte, was mir der LSV bezahlt.“

4.000 vs. 10.000 Euro

Konkret bezahlt die LSV 4.000 Euro an den Ballon-Unternehmer Bering. Professionelle Catering-Firmen hÀtten um die 10.000 Euro geboten, sagt Bering.

„Bislang habe ich nur draufgelegt“, sagt Bering. Und: „Mittlerweile hat das Festival eine Dimension erreicht, wo man das nur noch professionell betreiben kann oder lassen muss.“ Die Kritik zielt auf den LSV: „Wenn viele tausend Menschen etwas zu essen und zu trinken wollen, kann es nicht sein, dass man erst einen Bon fĂŒr Pommes kaufen muss und dann genau Pommes kriegt, die erst in die Fritteuse geworfen werden, wenn jemand Pommes bestellt hat.“

Michael Bering wollte eine einfache Lösung: „Bons zu 50 Cent oder einem Euro, am Stand wird dann bestellt und abgerechnet. Ich will… und kriege das dann auch.“ Die Antwort: „Das geht so nicht, dann muss zu viel gerechnet werden…“, bringt Bering zur Weißglut: „Wenn Sie den Andrang umrechnen, muss innerhalb von ein paar Sekunden jemand bedient werden. Wenn es heißt, ein Bier, und jemand fĂ€ngt dann an zu zapfen, funktioniert nichts mehr.“

Streit um „professionelle Dienstleistung“.

Bering kritisiert auch die Behandlung der Ballon-Teams: „Die Teams mĂŒssen innerhalb kĂŒrzester Zeit richtig viel Arbeit leisten. Und auch die haben Hunger und Durst und ohne die lĂ€uft nichts. Wenn die sich dann aber ebenso in die Schlangen einreihen mĂŒssen, wird es „komisch“. Noch „komischer“ wird es aus seiner Sicht, wenn der Ton „komisch“ wird, „weil man das kritisiert.“

Unternehmer Bering plant "die Wiese". LSV fĂŒhlt sich "scheibchenweise" ĂŒbernommen. Bild: heidelberg-ballon.de

Bering kritisiert weiter, dass das Angebot des LSV zu beschrĂ€nkt sei: „Bratwurst und Steacks sind ok. Der LSV soll auch sein GeschĂ€ft machen. Aber ein attraktives Festival bietet mehr als das. Wenn man sich beim Angebot beschrĂ€nkt, ist das nicht professionell.“

Weiter sagt er, dass zu viele an ihm „gezerrt haben“ und dass er „viele unangenehme Erlebnisse“ gehabt habe: „Ich mache mich doch nicht zum Deppen.“

Scharfer Ton: „Ich mach mich doch nicht zum Deppen.“

Den „unangenehmen Ton“ könne er mit Unterlagen belegen. Auch die email-Kommunikation mit der Stadt und dem Verein. Auf Anfrage ist Herr Bering aber nicht bereit, diese Unterlagen zur VerfĂŒgung zu stellen: „Ich will da nicht noch mehr Ärger machen, als es schon gibt“, sagt er zur BegrĂŒndung. Einen Beleg bleibt er schuldig.

Herbert Rittlinger gibt sich von der Entwicklung ĂŒberrascht: „Wir hatten nur ein GesprĂ€ch. Alles lief nach Plan, eigentlich waren wir uns einig, wer fĂŒr was zustĂ€ndig ist.“

Also die LSV fĂŒr das Catering, Bering fĂŒr das „Sportliche“, die Stadt fĂŒr die Infrastruktur des Festivals.

„Herr Bering hat dann die ZustĂ€ndigkeiten ignoriert“, sagt Rittlinger. „StĂ€ndig wollte er was Neues. Wir haben auch einen CrÃÂȘpe-Stand akzeptiert und einen Eis-Stand. Aber dann war da mit einem Mal der „Langosch“-Anbieter und Herr Bering wollte immer mehr“, sagt Rittlinger: „Wir sollten scheibchenweise ausgebootet werden.“

„Dabei sind wir diejenigen, die fĂŒrs Catering zustĂ€ndig sind“, sagt Herr Rittlinger. Das sagt er oft und: „DarĂŒber haben wir Herrn Bering per email in Kenntnis gesetzt.“

Wer hat recht? Monopol vs. Unternehmerwillen.

Und: „Wenn viele Menschen gleichzeitig etwas wollen, dann entstehen Schlangen, das haben wir schon oft erlebt.“ Man mĂŒsse das auch anders sehen: „Wir haben hier 100 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Hier geht es auch ums Soziale. Um die Jugendarbeit, das will Herr Bering nicht verstehen“, sagt Herr Rittlinger.

Und: „Herr Bering will dieses Engagement madig machen. Es kam der Punkt, an dem ich sagte, bis hierhin und nicht weiter. Es kann nicht so laufen, dass Herr Bering immer mehr fordert und StĂ€nde einteilt. Wir haben das Monopol fĂŒr das Catering.“

„Wir haben akzeptiert, dass Herr Bering mehr machen wollte, aber irgendwann ist Schluss. Herr Bering will den Verein rausdrĂ€ngen, wenn er behauptet, dass andere 10.000 Euro bezahlen. Das akzeptieren wir nicht.“

Herr Rittlinger ist bereit, die Konsequenzen zu tragen. Auf die Frage, ob der Einnahme-Verlust nicht schĂ€dlich fĂŒr den Verein sei, sagt er: „Das können wir vertragen. Wir bemĂŒhen uns um einen anderen Veranstalter.“

Verhandlungen.

Gibt es konkrete GesprĂ€che? „Wir sind im GesprĂ€ch“, sagt Herr Rittlinger. Details mag er nicht nennen.

Michael Bering ist im GesprÀch mit dem Luisenpark. Freilich erst am Anfang.

BĂŒrgermeiser Ziegler ist in der ZwickmĂŒhle: Bei diesen verhĂ€rteten Positionen steht er zur LSV. Die ist ihm nĂ€her. Und er weiß um die Forderungen von Bering. Und er weiß um die Finanzlage seiner Stadt.

Gibt es eine Möglichkeit, das GesprĂ€ch nochmals aufzunehmen? „Von meiner Seite aus sicher“, sagt BĂŒrgermeister Ziegler.

Was soll ein BĂŒrgermeister auch sonst sagen?

Link: Auf der Seite von heidelberg-ballon.de sind die Informationen zum 6. Internationalen Ballonfestival Ladenburg gelöscht. Auf den Seiten von ballonfestival-ladenburg ist das geplante Programm aber noch erreichbar…. (Stand: 02. MĂ€rz 2010, Anm. d. Red.) Update: 05. MĂ€rz 2010, die Seiten wurden gelöscht.

Update
Dokumentation: Plan Ballonfestival

Update: Der Ballonfahrten-Unternehmer Michael Bering hat uns „gebeten“, die zunĂ€chst verwendeten Bilder aus dem Pressebereich seiner homepage sofort zu löschen. Angeblich hĂ€tten wir diese ohne Nachfrage nicht verwenden dĂŒrfen. Dies ist nicht zutreffend. Das Unternehmen bot ĂŒber das zunĂ€chst in Ladenburg geplante 6. Ballonfestival Pressetexte und Bilder zur freien Verwendung an. Ein Hinweis, dass eine Verwendung erst genehmigt werden muss, fehlte.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.

  • A.Franz

    Monopole sind nie gut und werden in der freien Wirtschaft zu Recht durch das Kartellamt bekĂ€mpft. Es wundert doch sehr, dass hier ein Ladenburger Verein so bevorteilt wird – regt sich da kein widerstand bei den anderen ansĂ€ssigen Vereinen ?

  • u_patronu

    „Update: Der Ballonfahrten-Unternehmer Michael Bering hat uns “gebeten”, die zunĂ€chst verwendeten Bilder aus dem Pressebereich seiner homepage sofort zu löschen. Angeblich hĂ€tten wir diese ohne Nachfrage nicht verwenden dĂŒrfen. Dies ist nicht zutreffend. Das Unternehmen bot ĂŒber das zunĂ€chst in Ladenburg geplante 6. Ballonfestival Pressetexte und Bilder zur freien Verwendung an. Ein Hinweis, dass eine Verwendung erst genehmigt werden muss, fehlte.“

    Nun erfahrt ihr am eigenen Leib, was von dieser Person hinsichtlich „Halten an getroffene Vereinbarungen“ zu halten ist.

    Zum GlĂŒck gibts noch andere Ballonunternehmen in der Umgebung, sodass man in Ladenburg nicht auf diesen Selbstdarsteller angewiesen ist.

    Soll er seine Ballons doch im Luisenpark starten lassen!

  • M.Bering

    Hallo u_patronu,
    sorry, aber nicht jeder Journalist hat per se recht. Unsere Bitte an den Blogbetreiber – kein Verbot – hatte einzig den Hintergrund, die Emotionen nicht noch mehr hochzutreiben. Uns schien, dass die Eintracht von Text und Bild den unbedarften Leser (der ja nicht alle Fakten kennen kann) falsche RĂŒckschlĂŒsse zulĂ€sst. Ob das mit Selbstdarstellung etwas zu tun hat? Ich möchte einfach keine anonymen Anrufe mehr, die mir „die Fresse polieren wollen“, weil ich die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer verunglimpfe. Genau das wollte ich nicht. Michael Bering

    • Dasladenburgblog

      Guten Tag!

      Danke fĂŒr Ihren Beitrag.
      Es ist nicht Aufgabe des Journalismus, alle „Fakten“ (wo zieht man da die Grenze?), sondern die wesentlichen Informationen darzustellen. Das haben wir in unserem Bericht getan.
      Es gibt zur Sache drei unterschiedliche Positionen, fĂŒr die es jeweilige GrĂŒnde gibt.

      Wir haben die Konfliktlinie benannt – aus den unterschiedlichen Positionen heraus. Die Informationen haben wir durch die gefĂŒhrten GesprĂ€chen und durch weitere Recherche gewonnen und dokumentiert.
      Hilfreich ist immer Material, das Aussagen von Protagonisten belegt. Dieses wurde uns aber trotz Nachfrage von keiner Seite zur VerfĂŒgung gestellt.
      Über die GrĂŒnde lĂ€sst sich spekulieren, was wir aber öffentlich nicht getan haben.

      In einem solchen Fall werden Aussagen auch als Aussagen dargestellt und nicht als „Fakten“.
      Das gilt im vorliegenden Bericht vor allem fĂŒr die Aussagen von Herrn Bering und Herrn Rittlinger, die beide Ihre Standpunkte zur Sache geĂ€ußert haben.

      Wir gehen weiter davon aus, dass unsere geneigten Leserinnen und Leser keine „unbedarften“ sind. Allein die LĂ€nge des Textes schließt oberflĂ€chliches Lesen aus. Deutlich werden sehr wohl viele HintergrĂŒnde, um die es „Streit“ gab und die unterschiedlich bewertet werden.

      Wenn Journalismus auf Berichterstattung verzichten wĂŒrde, weil es möglicherweise „anonyme Anrufe“ gebeten könnte, wĂŒrde bald nichts mehr berichtet werden. Es ist bedauerlich, wenn Menschen solch unanstĂ€ndige Methoden anwenden – hier können eine Fangschaltung und das Strafgesetzbuch weiterhelfen.

      TatsĂ€chlich hatten wir ĂŒberhaupt nicht den Eindruck, dass Herr Bering die Arbeit ehrenamtlicher Helfer „verunglimpfen“ wollte. Er hat sich tatsĂ€chlich aber kritisch geĂ€ußert. Das ist sein Recht. Aus seiner Position heraus hat er diese Kritik auch nachvollziehbar begrĂŒndet.

      Herr Rittlinger hat ebenfalls nachvollziehbar seine Position begrĂŒndet.

      Was fehlte, war offensichtlich auf beiden Seiten der Wille, zu einer Einigung zu kommen. Das Resultat ist bekannt.

      Einen schönen Tag wĂŒnscht
      Das ladenburgblog