Samstag, 22. September 2018

Das Atelier 47 schließt

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Siegmund Eibel liebt die Kunst - aber Menschen noch mehr.

Ladenburg, 03. Dezember 2011. Schade – das Atelier 47 schließt am 31. Dezember. Der Künstler Siegmund Eibel hat Rente beantragt und will es etwas langsamer angehen lassen.

Von Hardy Prothmann

Siegmund Eibel (60) wird Ladenburg fehlen und Ladenburg ihm. 1998 war er das erste Mal in Ladenburg, seit 2005 arbeitete Eibel als Künstler in der Stadt, erst in der Hauptstraße 47 und seit drei Jahren direkt am Marktplatz (Nummer 43)  im Atelier 47 – er hat die Hausnummer des ersten Standorts einfach mit “umgezogen”.

Ein offenes Atelier, ein offener Austausch mit Menschen – das war Eibel immer wichtig: “Ich mag es, mit de Mensche zu redde”, sagt der gebürtige Pfälzer, den man oft und gerne beim Schwätzchen mit anderen beobachten konnte.

Über sich und seine Kunst sagt er ganz bescheiden: “Ich bin am Üben”, dann grinst er, lacht, zwinkert. Siegmund Eibel ist ein besonderer Typ Mensch. “Ich möcht einfach aufrecht sein und bleiben.” Eibel guckt ernst: “Des is doch ah was, oder net?” Dann funkeln seine Augen. Er scheint, als mache er einen Scherz. Macht er auch und meint ihn doch ganz ernst.

Unkonventionell als normaler Zustand.

Siegmund Eibel ist ein unkonventioneller Mensch: “Das Atelier hat mir gut gefallen, weil immer Betrieb war. Aber es verpflichtet auch. Man sollte sowas regelmäßig öffnen und wenn ich Menschen treffe und mich inspirieren lasse, dann versteht nicht jeder, dass man anscheinend “nix schafft” – dabei kommen die Schaffensphasen bei mir unverhofft und heftig. Das ist nicht „geregelt“. Kunst hat keine von-bis-Öffnungszeiten.”

Eibel ist ehrlich, trägt das Herz auf der Zunge.

Vor rund zwei Jahren ist Stefan Schmitt (aka Phil Leicht) als Untermieter ins Atelier gekommen: “Das fand ich anfangs sehr reizvoll, die Idee, hier kleine Konzerte zu veranstalten”, sagt Eibel. “Die Events haben auch viel Spaß gemacht.” Aber die Chemie stimmte nicht: “Phil und ich passen nicht gut zusammen, er ist mir wesensfremd.”

Mehr möchte er zum Verhältnis nicht sagen: “Das ist jetzt vorbei und für mich ist das gut so”, sagt Eibel und lächelt milde, aber auch ein wenig nachdenklich.

Kunst ist Freude.

Eine Abschiedsparty will er nicht geben. “Ich mag des Brimborium net”, sagt Eibel: “Wer vorbei kommt, kommt vorbei – ich freue mich über den Besuch.”

Ab Januar wird es einen neuen Mieter geben: “Da müssen Sie den Vermieter fragen, soweit ich weiß, bekommt das ein Gastro-Betrieb.”

Was wird aus seinen Bildern? “Ich habe viele Anfragen und natürlich kann man die bis Ende Dezember hier noch anschauen und wenn jemand ein Bild mag, dann freut mich das. Kunst ist sowieso nur Freude, oder?” Wieder grinst Siegmund Eibel. Ja, Freude, das ist eine gute Beschreibung für den Künstler.

Anmerkung der Redaktion:
Wir haben Siegmund Eibel Anfang des Jahres porträtiert. Den Text finden Sie hier. 

 

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.