Sonntag, 19. November 2017

Asylbewerber-Unterkunft in Heppenheimer Straße

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Die Brombeersträucher kommen weg. Auf dem Grundstück baut der Landkreis ein Asylbewerberheim für 200 Personen.

Die Brombeersträucher kommen weg. Auf dem Grundstück wird der Landkreis einen Wohnkomplex für 200 Asylbewerber bauen.

 

Weinheim/Rhein-Neckar/Ladenburg, 03. Dezember 2013. (red/ld) Rund 200 Asylbewerber sollen ab Herbst 2015 (wir hatten zunächst 2014 berichtet) in Weinheim untergebracht werden. Zu diesem Zweck wird der Landkreis einen vierteiligen Gebäudekomplex auf einem städtischen Grundstück an der Heppenheimer Straße neu bauen. Das verkündeten Oberbürgermeister Heiner Bernhard (SPD) und Landrat Stefan Dallinger (CDU) heute bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

Die Asylbewerber sollen eine „Willkommenskultur“ in der Stadt vorfinden und schnell integriert werden. Deshalb seien in den vergangenen sechs Monaten Gespräche mit der Stadt, mit Flüchtlingsvereinigungen, den christlichen Kirchen und dem Moschee-Verein geführt worden. In den Gemeinschaftsräumen der Unterbringung sollen Aktivitäten wie Sprachförderung und Hausaufgabenhilfe für die Kinder angeboten werden. Man setze auf ehrenamtliches Engagement, sagten OB Bernhard und Landrat Dallinger.

Auf „gute Integrationsmöglichkeiten“ habe man bei der Auswahl des Grundstücks geachtet, sagte OB Bernhard heute. Das 4.436 Quadratmeter große Grundstück liegt zwischen einem Baumarkt im Gewerbegebiet und grenzt an ein Wohngebiet. In zehn Minuten Fußweg ist der Kindergarten in der Fichtestraße zu erreichen. Der Weg zur Grundschule dauert zu Fuß 25 Minuten. Zudem sei das Grundstück gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden. Der Fußweg zur OEG-Haltestelle „Händelstraße“ dauert immerhin 13 Minuten.

Neubau für 200 Personen für 10 Jahre

Derzeit ist das Gelände als Sondernutzungsfläche für Einzelhandel vorgesehen. Ein vorhabenbezogenes Änderungsverfahren des Bebauungsplans wird jetzt anlaufen. Das Grundstück an der Heppenheimer Straße wird dann für zehn Jahre durch den Landkreis von der Stadt gepachtet. Genaue Planungen gebe es noch nicht, sagte Landrat Stefan Dallinger. Wegen der vorgesehenen Nutzungsdauer käme eine Containerlösung wie in Schwetzingen nicht in Frage. Auch eine so große Unterbringung wie in Sinsheim mit 424 Plätzen werde es nicht mehr geben. Der Neubau für 200 Personen werde sich an der umliegenden Bebauung orientierenund zweistöckig werden. Benötigt wird nach unserer Berechnung eine Wohnfläche von 1.400 Quadratmetern. Dazu kommen Gemeinschafts- und Verwaltungsräume.

Die Anzahl der aufgenommenen Asylbewerber sei in den vergangenen zwei Jahren „exorbitant“ gestiegen, sagte Landrat Dallinger. Bis zum Ende dieses Jahres werden neue 700 Asylbewerber im Landkreis untergebracht. Im Jahr 2012 waren es 400. Im Jahr zuvor 250. Das sei viel, käme aber noch nicht an die Zahlen während des Jugoslawienkriegs heran, sagte Landrat Dallinger. Es sei aber damit zu rechnen, dass die Situation so bleibe. Deshalb habe man sich für die Neubaulösung entschieden.

Bedarf bleibt auf hohem Niveau

Zudem werden in den kommenden Jahren auch einige Unterbringungsmöglichkeiten wegfallen: Die Ladenburger Martinsschule, wo derzeit 160 Personen untergebracht sind, wird ab dem kommenden Jahr während der Sanierung des Carl-Benz-Gymnasiums als Ausweichquartier für Schüler benötigt und nach der Schulsanierung abgerissen werden. Die Containerlösung in Schwetzingen wird Ende 2015 aufgelöst werden.

Eine weitere Gemeinschaftsunterkunft wird derzeit in Wiesloch gebaut. Sie soll im kommenden Herbst 240 Plätze bieten. Der Neubau in Weinheim wird im Herbst 2015 eröffnet. Wir berichten im Laufe des Tages ausführlicher.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.