Sonntag, 19. November 2017

Leistungsport am Seil: Badische Meisterschaft im Rope Skipping

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Guten Tag!

Ladenburg, 02. MĂ€rz 2010. SeilhĂŒpfen war gestern. Als Leistungssport betrieben heißt das „Rope Skipping“. Am Samstag, 27. Februar fand die 10. Badische Einzelmeisterschaft in der Lobdengauhalle statt. Zwei „Springerinnen“ vom LSV Ladenburg stehen unter „Beobachtung“: Sie haben Chancen, sich im kommenden Jahr im Landesteam fĂŒr die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren.

Von Hardy Prothmann

Geschick und Kondition sind wichtig. Bild: ladenburgblog

Geschick und Kondition sind wichtig. Bild: ladenburgblog

SeilhĂŒpfen? Ist eher was fĂŒr MĂ€dchen. Stimmt. Die Zahl der Jungs ist deutlich ĂŒberschaubar. Wenn SeilhĂŒpfen aber als „Rope Skipping“ betrieben wird, wird es zum Leistungssport.

Rope Skipping gibt es beim LSV Ladenburg seit etwa drei Jahren – seit einem halben Jahr machen die „Springerinnen“ auf bei WettkĂ€mpfen mit. „Bis zur Wettkampfreife muss man schon eine zeitlang ordentlich trainieren“, sagt Landesfachwart Henner Böttcher (TSG Seckenheim).

Er muss es wissen: Die Seckenheimer sind schon seit zehn Jahren „im GeschĂ€ft“ und sind mittlerweile sogar auf Bundesebene eine feste GrĂ¶ĂŸe: „Die Ladenburger gefallen mit gut, hier ist ordentlich trainiert worden“, sagt Böttcher. Zum Vergleich: Die TSG hat 18 Trainingseinheiten die Woche, beim LSV sind es zwei bis drei Stunden – noch.

In der Lobdengauhalle sind gut 40 TeilnehmerInnen angetreten, um in den Speed-Disziplinen und der KĂŒr zu zeigen, was sie können. Ein Kampfgericht bewertet die Zahl der „DurchschlĂ€ge“ und vergibt Punkte fĂŒr „Stunts“ – so heißen akrobatische oder komplizierte Figuren.

Sabrina Diehl von der TSG ist eine der Favoritinnen und wird sich heute fĂŒr die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Ein Beispiel fĂŒr das Können: In 30 Sekunden schlĂ€gt sie das Seil 85 Mal durch. Wer sich schon mal im Seilspringen probiert hat, wird das bewundern.

Der mĂ€nnliche „Star“ in der Halle ist Pascal BĂ€r (TSG). Er erreicht beim Wettkampf in der Altersklasse I (18+) 1.759 Punkte von bis zu 2.500 möglichen Punkten. Platz zwei macht Mirjam Hofmann, Platz drei Sabrina Diehl (beide TSG). Alle drei qualifizieren sich damit fĂŒr die Deutsche Meisterschaft.

Aber auch das Team des TS Ottersweier ist stark: Isabel Maier (Jahrgang 96) qualifiziert sich ebenfalls und springt 1.440 Punkte. „So ab 1.400 Punkten springt man vorne mit“, sagt Henner Böttcher.

Warten auf die Siegerehrungen. Bild: ladenburgblog

Warten auf die Siegerehrungen. Bild: ladenburgblog

Im Badischen Landesfinale erreichen Rebecka Schmitt, Kristin Stadelmeyer und Sina Finckh die PlĂ€tze 6-8 in der Altersklasse III mit Punktzahlen nach an der 1.300er Marke: „Die MĂ€dels haben Potenzial“, sagt Böttcher.

„Die MĂ€dels haben Potenzial.“

In der Altersklasse II erreichen Miriam Gerards, Alicia Hillert, Charlotte Lorenz und Vivian Wagner die PlĂ€tze 5-8 mit Punktzahlen jenseits der 1.000er-Marke, Imke Ramminger und Silke Wiedemuth kommen auf Platz 10 und 11, mit Punktzahlen ĂŒber 900.

Neben den Badischen Meisterschaften gibt es ein Rahmenspringen – hier sammeln vor allem jĂŒngere SpringerInnen erste Wettkampferfahrungen in einzelnen der insgesamt vier Disziplinen. Neben der TSG Seckenheim, dem TS Ottersweier, der LSV Ladenburg ist auch ein Team der TSA MĂŒllheim angereist.

Beim LSV werden die SpringerInnen (17 MĂ€dchen, 2 Jungs) von Uli Finckh trainiert, der sehr zufrieden aussieht: „Das war ein toller Wettkampf und unsere SpringerInnen arbeiten sich ordentlich nach vorne.“ Bessere Positionen hĂ€ngen nicht nur von der Leistung ab, sondern auch von den persönlichen LebensumstĂ€nden: „Ein paar Springerinnen stehen im Abitur oder haben eine Ausbildung angefangen. Das geht natĂŒrlich vor – heißt aber auch, dass es mit dem zeitintensiven Training schwierig wird“, sagt Finckh.

Nach den Schnelldisziplinen folgt die „KĂŒr“: Hier zeigen die SpringerInnen eine Kombination aus Leistung und KreativitĂ€t. Bis zu 1:15 Minuten dauert eine KĂŒr, die zu Musik gesprungen wird. Manchmal ist die Aufregung zu groß und es klappt nicht ganz so, wie sich die SpringerInnen das vorgenommen haben – dann fließen auch schon mal TrĂ€nen der EnttĂ€uschung.

Wenn die KĂŒr aber lĂ€uft, ist die Freude groß. Soviel ist sicher – viele der SpringerInnen entwickeln einen großen Ehrgeiz und Rope Skipping hat nichts mit dem Kinderspiel „SeilhĂŒpfen“ zu tun. Rope Skipping ist Leistungssport, fĂŒr den es viel Geschick, akrobatische FĂ€higkeiten und eine ordentliche Kondition braucht.

Dass der Wettkampf in Ladenburg stattfand, ist sicherlich eine Auszeichnung fĂŒr die Ladenburger, die kurz davor stehen, vorne mitzuspringen: Zwei Springerinnen stehen bereits unter „Beobachtung“ fĂŒr das Landesteam.

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.