Sonntag, 23. September 2018

Fußgängerzone: Wie der MM „Studien interpretiert“

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Guten Tag!

Ladenburg, 02. März 2011. Am 19. Februar 2011 „präsentiert“ der „MM“ eine „Analyse“: Checkliste aus Bayern auf Ladenburg übertragen. Was dafür und was dagegen spricht.“ Bevor jemand die Ergebnisse „ernst“ nimmt, sollte man die „Analyse“ erstmal „checken“.

Von Hardy Prothmann

Wenn der MM-Redakteur Hans-Jürgen Emmerich unter seinem Namen oder seinem Kürzel einen Text veröffentlicht, muss man als Leserin oder Leser vorsichtig sein.

Denn es ist nicht immer klar, ob es sich um eine eigene „redaktionelle Leistung“ oder nur um die Wiedergabe einer Pressemitteilung oder sonstwas handelt.

Bayerische Studie von 2004. Man muss die spezifischen Faktoren beachten.

Ohne jetzt dringend an die „Plagiats“-Debatte erinnern zu wollen, muss man doch darauf hinweisen, dass der MM-Redakteur Emmerich oft sehr „frei“ mit Fakten, Informationen und Quellen umgeht. (Siehe hierzu unsere Anmerkung, Datum, 17. Februar 2011.)

Wir dokumentieren die „Analyse“ des „MM“ in Sachen „Wirtschaftsstandort Innenstadt“ (PDF) des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels vom Januar 2004, auf die sich der „MM“ bezieht.

Die Angaben der „Analyse“ des „MM“ sind „fett“ markiert“. Unsere Anmerkungen ganz bescheiden in Normalschrift.

Während der MM beim Check 11 „Pro-Argumente“ kommt, auf 6 „neutrale“ und zwei „negative“, also insgesamt zu einer positiven Bewertung einer Fußgängerzone, bewerten wir das Bild anders.

Stadtgröße: 11 500 Einwohner (0).
Studie gilt für mehr als 10.000 Einwohner mit zentraler Einkauftskraft. Ladenburg ist eher ein Unterzentrum. (-)

Zentralität: Kennziffer laut IHK Rhein-Neckar 0,7 (-).
Wir stimmen zu, sofern die Auskunft stimmt. (-)

Historische Innenstadt: Überwiegend vorhanden (+).
Wir stimmen zu. (+)

Touristisches Potenzial: Vorhanden, wird teilweise vermarktet (+).
Wir stimmen bedingt zu. Als problematisch sehen wir die Dominanz des Heimatbunds, einer nicht effektiv vorhandenden Vermarktungsgemeinschaft der Gastronomie und Hotelerie sowie eine schon fast „sträflich“ vernachlässigte Kommunikation. Das Potenzial ist vorhanden, aber zu wenig genutzt. (0)

Dimensionierung: Fußgängerzone darf nicht überdimensioniert und muss überall gut frequentiert sein (evtl. +).
Können wir uns bedingt anschließen (siehe Studie). (0)

Lage: Muss zentral sein (+).
Die Lage ist nur bedingt zentral. (0)

Nutzung: Einzelhandel dominiert (+).
Zutreffend. (+)

Verhältnis zur „grünen Wiese“: Verkaufsfläche außerhalb ist mehr als doppelt so hoch (-).

Die Studie sagt, dass eine Verkaufsfläche „auf der grünen Wiese“ nicht mehr als 40 Prozent über der in der Fußgängerzone liegen darf. (-)

Magnetbetrieb: Mindestens ein Magnetbetrieb sollte vorhanden sein. Der NKD-Markt könnte als solcher gewertet werden, der BdS widerspricht dem (0).
Der NKD-Markt ist sicher kein „Magnet-Betrieb“ (-).

Leerstände: Es sind wenige Leerstände vorhanden: (0).
Bis jetzt ja, das kann sich bald ändern. (-)

Gastronomie: Außengastronomie trägt zur Aufenthaltsqualität in der Altstadt bei (+).
Das ist je nach Klima eingeschränkt. Es gibt attraktive Angebote, aber nicht als durchgehendes Bild. (0)

Aktivitäten: Zur Belebung der Innenstadt gibt es neben dem Wochenmarkt regelmäßige Aktivitäten des Einzelhandels und der Gastronomie (+).
„Regelmäßig“ ist relativ. Ein paar Sonderaktionen, Weihnachtsmarkt und Altstadtfest sind nicht „regelmäßig“, der Wochenmarkt hingegen schon. (0)

Parkplätze: Mehr als ein Stellplatz je 50 Einwohner in der Nähe der Fußgängerzone, jedoch herrscht in der Praxis schon heute chronischer Parkplatzmangel (0).
Dazu haben wir keine Information. (0)

Parkgebühren: Parken ist mehr als eine Stunde kostenlos (+).
Kein Einwände. (+)

Parkleitsystem: Nur bedingt vorhanden (0).
Einwand: Das könnte viel besser sein. (-)

ÖPNV: Einzelne Linien halten an der Fußgängerzone: (0).
Auffassungssache. (-)

Besucherleitsystem: Vorhanden (+).
Auffassungssache. (0)

Fassadengestaltung: Überwiegend renoviert (+).

Zutreffend, allerdings künftig fragwürdig. Entscheidungen gegen energetische Maßnahmen (Fotovoltaik) wirken sich eventuell negativ aus. (0)

Möblierung: Vorhanden (+).
Immer Sommer ja, sonst spärlich. (0)

Wir komen auf neun „neutrale“ Faktoren, auf sieben „negative“ und nur drei „positive“ – gemäß der Studie würde sich eine Fußgängerzone eher „negativ“ auswirken.

Der „MM“ hingegen findet neun „positive“ Faktoren, sechs „neutrale“ und nur zwei „negative“. Demnach würde sich eine Fußgängerzone leicht positiv auswirken.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.