Sonntag, 23. September 2018

Fußgängerzone: Online-Abstimmung des „MM“ unseriös und ohne Aussagekraft

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Guten Tag!

Ladenburg, 02. März 2011. Der Mannheimer Morgen bietet auf seiner Internetseite eine „Online-Abstimmung“ zur Fußgängerzone an. Die ist ohne jede Aussagekraft und jede Interpretation muss unseriös bleiben.

Von Hardy Prothmann

Ich kann nicht wirklich behaupten, dass der Mannheimer Morgen in Sachen „Umfragen“ vollständig beratungsresistent ist.

Was ich weiß, ist, dass ich 1994 ein Interview mit einem Mannheimer Professer für empirische Sozialforschung geführt habe. Der Grund: Damals führte der „MM“ so genannte Telefonabstimmungen durch.

Da ich gerade mein Studium der Politischen Wissenschaften abgeschlossen hatte und fast drei Jahre am Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) ständig mit wissenschaftlichen Analysen zu tun gehabt hatte, war ich zunächst verwundert und dann neugierig, was die Wissenschaft zu solchen „Stimmungsbarometern“ zu sagen hat.

Das Ergebnis war niederschmetternd – für den MM. Im Interview erklärte mir ein Professor der Universität Mannheim, dass diese Art Umfragen vor allem eins sind: unseriös.

Ohne Aussagekraft - die "Online-Abstimmung" des "MM". Quelle: morgenweb

Solcherart betriebene Umfragen taugen genau nichts. Da kann man auch Knochen werfen, den Vogelflug beobachten oder sonstige „Auffälligkeiten“ interpretieren. Solcherart „Voodoo“ wäre wenigstens noch etwas „spannender“.

Die aktuelle „Online-Umfrage“ des MM taugt nichts, weil einfachste Standards nicht eingehalten werden. Es gibt keinerlei Daten zum Zeitraum der Erhebung, zur Erhebungsmethode, zur Erhebungsauswertung – das kann man als „Nachlässigkeit“ gegenüber den „Nutzern“ interpretieren oder ganz derb als „Verarschung“. Der „Arsch“ ist dabei der, der versucht, sich in Treu und Glauben an den „Ergebnissen“ zu orientieren.

Interessanterweise oszilliert das „Ergebnis“ meist um eine angeblich hälftige Zustimmung und Ablehnung und passt so sehr genau zur Berichterstattung, die immer wieder ein „Dafür“ und „Dagegen“ in lockerer Folge präsentiert, um die „Stimmung“ hoch zu halten. Aber dass ist nur eine „Interpretation“ ohne jegliche Fakten – denn die fehlen vollständig.

Diese Berichterstattung nimmt es ebensowenig genau mit den „Fakten“ wie die „Umfrage“.

Ich würde dem Mannheimer Morgen dringend empfehlen, die Bedingungen der „Umfrage“ zu kommunizieren, ebenso wie die Tatsache, dass sie eigentlich nichts taugt.

Wenn die Zeitung dies kommunizieren würde, könnte ich der Meinung sein, dass sie nicht vollends beratungsresistent ist.

Meine Hoffnung geht in der Sache allerdings gegen Null.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.