Freitag, 21. September 2018

Fußgängerzone: Die Debatte muss „professionalisiert“ werden

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Guten Tag!

Ladenburg, 02. März 2011. Die Debatte um ein Pro und Kontra zu einer möglichen Fußgängerzone in Ladenburg leidet unter unprofessionellen Meinungen, laschen Fakten und Meinungsmache, die nicht zielführend ist. Wer Lust auf „Zoff“ hat, macht so weiter, wer eine „Lösung“ will, fängt an zu arbeiten.

Von Hardy Prothmann

Die Debatte um eine „Fußgängerzone“ in Ladenburg ist vollständig sinnlos.

Weil eigentlich niemand weiß, worüber der jeweils andere redet.

„Unechte Einbahnstraße“? Was ist das? Mal abgesehen, dass es das europaweit nur in Hamburg gibt.

Bayern-Studie von 2004? Die ist schnell zitiert. Aber die Analyse fehlt.

„Hupsen“ oder „Holpern“ – die einen behaupten, sie müssten vor Autos „weghubsen“, wer einen Kinderwagen schiebt oder am Rollator geht, holpert.

Die „schnellsten“ Verkehrsteilnehmer sind nicht Autos, sondern Radfahrer – keinem kann man zumuten, mit 7 km/h unterwegs zu sein. Denn dann fällt man fast vom Rad.

Jeder, der Rad fährt, verbraucht wenig Platz, erzeugt keine Abgase und keinen Gestank und muss sich doch vorwerfen lassen, „wild“ zu parken und das „Stadtbild“ zu beschädigen.

Ganz ehrlich?

Geht’s noch? Muss jeder noch so verworrene Gedanke ernst genommen werden? Darf sich jeder „Spinner“ in die Debatte einbringen?

Leider ja – denn das nennt man Demokratie.

Demokratie im modernen Sinne heißt aber nicht, dass jede spinnerte Idee immer und immer wieder in den Ring geworfen werden kann.

Moderne Demokratie muss sein, dass alle Beteiligten gut informiert werden. Und sich dann, wenn sie wollen, gut einbringen.

Und dann sollte über Debatte und Abwägung entschieden werden.

Und danach muss man zu positiven oder negativen Entscheidungen stehen und Konsequenzen stehen.

Bürgermeister Rainer Ziegler ist ein guter Bürgermeister, weil er zu Debatten auffordert.

Aber er könnte ein noch besserer Bürgermeister sein, indem er Entscheidungen anstrebt.

Die Debatte um die Fußgängerzone muss demokratisch mit Beteiligung der Bürger gelöst werden.

Aber auch mit Beteiligung der Gewerbetreibenden, die viele Menschen beschäftigen.

Die SPD vertritt traditionell eher einer „Gewerkschaftsklientel“ – und wird immer schwächer, weil die in der Industrie beschäftigten Arbeitnehmer immer weniger werden.

Die CDU vertritt eher das „Kapital“, das immer weniger Menschen beschäftigt.

Die FDP vertritt eine sehr spezielle „Unternehmer“-Klientel, die weder CDU noch SPD gefallen kann

Die Grünen müssen sehr viel unternehmerfreundlicher werden, um im „System“ mitmischen zu können.

Die Freien Wähler fühlen sich vielleicht nirgendwo in den Parteien wohl – sie sind aber längst die stärkste kommunale Kraft im Land. Aber nur vor Ort aktiv – ohne Ideenaustausch.

Zu der Debatte um einen Fußgängerzone braucht es einen Ordnungsruf an alle.

Egal, ob man dafür oder dagegen ist – die Fakten müssen auf den Tisch.

Dann kann man darüber ernsthaft diskutieren.

Vermuten und Befindlichkeiten taugen nur zum Kammerspiel und nerven zusehends.

Die „ich-schmuse-mit-allen-Haltung“ des Bürgermeisters ist wenig zielführend.

Von Bürgermeister Rainer Ziegler muss erwartet werden können, dass er endlich einen Entscheidungsprozess in gang bringt.

Dafür muss er aber Richtlinien definieren, um die sich die Öffentlichkeit, ob Bürger oder BdS mit ihren Argumenten bewerben können.

Alles andere ist ein Spiel der Eitelkeiten, das irgendwann keiner mehr versteht.

Das Aufpumpen der SPD hingegen darf man gerne und richtigerweise als „Wahlkampf“ verstehen – schon zur Kommunalwahl war die Fußgängerzone als „Thema“ entdeckt worden. Damals hat das der SPD eher geschadet als genutzt.

Vielleicht wäre die SPD besser beraten sich auf etwas anderes zu konzentrieren – tatsächlich gibt es aber wenig Fantasien.

Wenn die „Debatte“ um die Fußgängerzone tatsächlich schon 40 oder 30 Jahre sein sollte, ist das umso peinlicher für alle, und es sind alle gemeint, die daran beteiligt sind.

Mehr Professionalität und nicht nur amateurhaftes Aufspielen wäre wünschenswert.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.