Sonntag, 23. September 2018

Zur Sache: Fußgängerzone, Autos, Fahrräder

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Guten Tag!

Ladenburg, 01. April 2011. In jedem Ort, in jeder Gemeinschaft gibt es widerstreitende Interessen. Grundsätzlich sollte man Kritik ernst nehmen – solange diese Sinn macht und die beteiligten Personen tatsächlich Lösungen suchen. Auch um die jetzt „offiziell“ übergebenen Fahrradständer gab es Streit und Diskussionen. Ganz ehrlich? Manchmal fasst man sich an den Kopf und versteht die Welt nicht mehr.

Kommentar: Hardy Prothmann

Ladenburg ist zwar die älteste rechtsrheinische Stadt Deutschlands, aber Ladenburg ist eine kleine Stadt, die mit Oberzentren wie Mannheim und Heidelberg oder auch mit mittleren Städten wie Weinheim oder Viernheim in vielerlei Hinsicht nicht konkurrieren kann.

Ladenburg hat Flair

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Bürgermeister Ziegler: Begeisterter Radfahrer und immer um einen Konsenz bemüht.

Ladenburg hat aber etwas, das viele andere Städte nicht haben: Flair und eine Betriebsamkeit, die eben nicht „großstädtisch“ ist, sondern sehr lebendig und sehr geschichtsvoll.

Es gibt viel Grün und der Neckar bietet einen einzigartigen Charme. Ladenburg ist beliebt. Bei den Einwohnern und bei den Gästen, die viel Geld in die Stadt bringen. Doch nicht nur Geld, sondern auch Leben und Bewegung und Austausch.

Und Ladenburg hat immer noch ein funktionierndes Angebot an Geschäften mit engagierten Geschäftsleuten, die attraktive Angebote bereit halten, Arbeitsplätze bieten und schaffen und eben dieses „Flair“, die Lebendigkeit stützen.

Ganz klar – da, wo Leben ist, ist auch Verkehr, angefangen vom Fußgänger, über Radfahrer bis hin zum motorisierten Verkehr. Und ganz klar ist Verkehr immer auch eine Belastung, aber auch eine Chance. Man muss intelligent mit Verkehr umgehen.

Viele in Ladenburg sind stolz, eine „Römerstadt“ zu sein. Vielen dieser stolzen Ladenburger ist aber einscheinend nicht klar, dass die „Römer“ vor allem eines gut beherrschten – den Verkehr. Der Erfolg des römischen Imperiums basiert auf drei Säulen – einer für die damalige Zeit modernen Verwaltung, einer überlegenden militärischen Organisation und ganz entscheidend: Einer herausragenden Verkehrsinfrastruktur.

„Verkehr“ gehört zu den Römern

„Rücksicht auf Verluste“ haben die Römer keine genommen. Die Römer sind deswegen auch zu Recht „Geschichte“. Sie waren sehr erfolgreich, sind aber an ihrer Dekadenz zugrunde gegangen.

In Ladenburg gibt es „Streit“ um eine Fußgängerzone, die von vielen Geschäftsleuten aus Sorge um einen weiteren geschäftlichen Erfolg abgelehnt wird. Die Geschäftsleute haben gute Gründe, gegen eine Fußgängerzone zu sein.

Es gibt aber auch aus Einzelinteressen heraus „Streit“ um das Altstadtfest, einem gesellschaftlichen Großereignis, das sich andere Gemeinden wünschen würden, weil es ihre „Bedeutung“, ihre Attraktivität herausstellen würde. Doch „Einzelinteressen“ setzen sich per „Gericht“ gegen das Interesse von vielen durch.

Und in Ladenburg gibt es nicht nur einen Streit um den Autoverkehr, sondern auch um Fahrräder, die keinen Krach machen, nicht stinken – aber trotzdem wegen „Wildparkens“ wiederum einzelnen, darunter Stadträten, ein Dorn im Auge sind.

Engagierte Unternehmer

Und es gibt in Ladenburg Unternehmer wie Andreas Knoth und Jonas Seidel, die viel Geld in die Hand nehmen, um attraktive Angebote zu schaffen. Beide Gastronomien, das Kaffeehaus und das Vanité, bieten, was man sich wünscht: Herausragende Angebote, freundlichen Service, ein einladendes Ambiente. Engagement und Leidenschaft.

Beide Unternehmer sind im Gespräch und Austausch mit anderen Geschäftsleuten am Ort. Orientiert am Konsenz, am gemeinsamen und gemeinschaftlichen Nutzen.

Trotzdem gibt es „Kräfte“, die ihnen und ihrem Engagement und Erfolg einen „Strick“ drehen wollen. Denen irgendwas nicht passt. Und seien es „wild abgestellte Fahrräder“, die das „Bild“ des Markplatzes angeblich „stören“.

Das kann man ernst nehmen. Dann darf man aber auch ernsthaft fragen, was man sich vorstellt: Wo sollen diese „geparkt werden“? Um den Wasserturm herum? Auf der Festwiese? Am Bahnhof, vor den „Toren“ der Stadt?

Wie kommen die Waren in die Stadt? Per Handkarren? Pferde-Kutsche?

Soll die Innenstadt ein geruhsames „Wohnparadies“ sein?

Wer die Diskussionen um den Verkehr in der Altstadt, um „Lärmbelästigung“ und andere Dinge verfolgt, muss sich teils wirklich an den Kopf fassen.

Die Gastronomie-Unternehmer Knoth und Seidel nehmen Geld in die Hand, um „Diskussionen“ zu beenden. Was ist die Reaktion? Diskussionen.

Der Markt darf nicht behindert werden – als wenn der Markt nicht mit Fahrzeugen auf den Markplatz kommen würde und dort ein geschätztes Angebot bereit hält.

Streit um des Streits Willen?

Die Fahrradständer seien nicht genug – sagen manche Stadträte. Der Mannheimer Morgen muss natürlich darauf hinweisen, dass rund 300 Plätze in der Außenbewirtschaftung sind, aber „nur“ vierzehn Ständer installiert worden sind – mit privatem Geld. Was soll das? Soll die Lösung sein, 150 Ständer zu installieren?

Geht es nur darum, nie eine Lösung zu finden, auf die man sich einigen kann? Soll der Streit das sein, was man von Ladenburg wahrnimmt? Das kann niemand ernsthaft wollen – und wenn doch, muss man genauso ernsthaft in Frage stellen, ob es bei solch absurden Positionen um „das Wohl der Gemeinde“ oder nur um die „Befriedigung“ von „Einzelinteressen“ geht, egal, ob diese logisch oder einfach nur streitsüchtig sind.

Kompromisse müssen auch angenommen werden

Der Streit um die Fußgängerzone war ein Wahlkampfthema, dass mittlerweile abgeflacht ist. „Überraschungen“ kann es aber noch geben. Der Diskussion um „wild“ abgestellte Fahrräder wurde jetzt ein Angebot gemacht, das die „Lage“ entspannen hilft.

Das sollte man einfach mal respektieren und nicht immer nur „motzen“.

Die Gastronomen Andreas Knoth und Jonas Seidel haben zusammen mit Bürgermeister Ziegler durch ihr Engagement gezeigt, dass sie gerne und aus Überzeugung bereit sind, es „allen“ so gut es geht, recht zu machen.

Man darf gespannt sein, ob „manche“ das akzeptieren wollen und können – oder ob ihnen noch etwas einfällt, was „nicht in Ordnung“ ist.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.