Mittwoch, 19. September 2018

Was vom Strande übrig bleibt…

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Guten Tag

Ladenburg, 01. Oktober 2010. Der Ladenburger „Sandstrand“ wurde Ende Mai noch als „Kleinod“ präsentiert. Fein die Körnung, schön das Ambiente, ökologisch die Anlage. Vier Monate später hat sich das Idyll in einen Kieselstein-durchsetzten Abschnitt verwandelt, der angeblich „nicht mehr besonders hübsch anzusehen“ ist.

Von Hardy Prothmann

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"Unschön"? - Das ist eine keine Geschmacks-, sondern eine Verständnisfrage.

Was ist passiert? Der schöne Sandstrand, so eine Art Kleinst-Copa Cabana am Neckar, ist nicht mehr „schön“ anzusehen.

Das hängt natürlich davon ab, was man als „schön“ ansieht.

Am 28. Mai 2010 präsentierte sich hier noch ein „perfekter“ Sandstrand – Bürgermeister Ziegler hatte zur Einweihung eingeladen. Gekommen waren Jörg Huber, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Heidelberg. 200 Tonnen Kies habe man umgebaggert. Martin Müller, Geschäftsführer vom Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, lobte als „Impulsgeber“ und Koordinator den Sandstreifen.

Der Stuttgarter Grünprojekt-Planer Christof Luz sagte damals fast melancholisch und doch bedeutend: „Wir haben unser Projekt erledigt.“

Das „Projekt“ Sandstrand wäre fast zuvor wegen fehlender Mittel „erledigt“ gewesen. Nur private und Firmenspenden machten die Realisierung möglich. Die Stadt zahlte nur 2.000 Euro „drauf“.

Nun scheint der Neckar das Projekt zu „erledigen“.

Jetzt steht die Frage im Raum, wer für den „Unerhalt“ aufkommt. Denn der „unschöne“ Anblick, den der CDU-Gemeinderat Dr. Meinhard Georg per Fotobeweis im Gemeinderat dem Bürgermeister Ziegler belegte, ist deshalb unschön, weil er mal anders war. Zumindest anders „geplant“. Zumindest anders schön definiert.

Der Plan war anscheinend, an einem Fluss, eine Copa Cabana zu errichten. Unbeeindruckt davon, dass es sich um Hochwassergebiet handelt. Seit die Copa Cabana eingeweiht wurde, gab es noch kein echtes Hochwasser, wohl aber „Wellenschlag“. Die Kiesel stammen vermutlich aus der Flachwasserzone, heißt es.

Ja woher den sonst? Vom Mars?

Der Neckar ist ein Fluss und sowas sind nun mal im Fluss. Fließend, mit unterschiedlichen Wasserhöhen. Da wirken Kräfte, da wird Material transportiert. Den Fluss interessiert keine „Flachwasserzone“ oder ein „feinkörniger“ Sandstrand, der den „ästhetischen“ Idealen eines Zahnarztes oder dessen Patienten entsprechen: Alles weiß in Reih und Glied – scheinbar makellos.

Der Neckar ist Natur. Pur. Unabhängig von jedem Konzert auf der Festwiese.

Die Erkenntnis ist einfach. Man überlässt dem Fluss den Sandstrand und der macht eine Kieselablage daraus. Oder man räumt ein ums andere Mal die Kiesel weg und schüttet Sand nach. Damit es „schön“ aussieht. Makellos. Wie im Prospekt. Copa Cabana eben. Davon träumen nicht nur Zahnärzte.

Ich finde, es sieht schön aus, an diesem Strand. Natürlich uneben.

Ärgerlich ist es sicherlich für alle die, die privat oder geschäfltich gespendet haben, um einen „reinen“ Strand zu erhalten.

Die hat Herr Dr. Georg aber nach unserer Kenntnis bislang nicht gefragt.

In der Gemeinderatssitzung hat er ausdrücklich einen seiner „Patienten“ genannt, der mit der Unordnung offensichtlich sehr unzufrieden ist, was Herr Dr. Georg als Dienstleister im Gemeinderat sofort weitergetragen hat.

Ohne weitergehende Informationen, ob der Patient ein Spender oder nur ein Nutznießer mit „eigenen“ Vorstellungen ist.

Wie auch immer. Der „Patient“ hat immer recht. Und Herr Dr. Georg hat sich souverän zum Boten gemacht.

Auch das ein „Naturprinzip“, in dem alles fließt.

Klar geht es um Geld – haben die „Investoren“ vergebens bezahlt?

Das ist eine interessante Frage.

Die sollte man aber den „Investoren“ stellen.

Natur pur. Der Strand, wie der Neckar ihn gestaltet.
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Saubere Arbeit. Der reine Strand.
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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.