Samstag, 18. November 2017

Was vom Strande übrig bleibt…

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Guten Tag

Ladenburg, 01. Oktober 2010. Der Ladenburger „Sandstrand“ wurde Ende Mai noch als „Kleinod“ präsentiert. Fein die Körnung, schön das Ambiente, ökologisch die Anlage. Vier Monate später hat sich das Idyll in einen Kieselstein-durchsetzten Abschnitt verwandelt, der angeblich „nicht mehr besonders hübsch anzusehen“ ist.

Von Hardy Prothmann

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"Unschön"? - Das ist eine keine Geschmacks-, sondern eine Verständnisfrage.

Was ist passiert? Der schöne Sandstrand, so eine Art Kleinst-Copa Cabana am Neckar, ist nicht mehr „schön“ anzusehen.

Das hängt natürlich davon ab, was man als „schön“ ansieht.

Am 28. Mai 2010 präsentierte sich hier noch ein „perfekter“ Sandstrand – Bürgermeister Ziegler hatte zur Einweihung eingeladen. Gekommen waren Jörg Huber, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Heidelberg. 200 Tonnen Kies habe man umgebaggert. Martin Müller, Geschäftsführer vom Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, lobte als „Impulsgeber“ und Koordinator den Sandstreifen.

Der Stuttgarter Grünprojekt-Planer Christof Luz sagte damals fast melancholisch und doch bedeutend: „Wir haben unser Projekt erledigt.“

Das „Projekt“ Sandstrand wäre fast zuvor wegen fehlender Mittel „erledigt“ gewesen. Nur private und Firmenspenden machten die Realisierung möglich. Die Stadt zahlte nur 2.000 Euro „drauf“.

Nun scheint der Neckar das Projekt zu „erledigen“.

Jetzt steht die Frage im Raum, wer für den „Unerhalt“ aufkommt. Denn der „unschöne“ Anblick, den der CDU-Gemeinderat Dr. Meinhard Georg per Fotobeweis im Gemeinderat dem Bürgermeister Ziegler belegte, ist deshalb unschön, weil er mal anders war. Zumindest anders „geplant“. Zumindest anders schön definiert.

Der Plan war anscheinend, an einem Fluss, eine Copa Cabana zu errichten. Unbeeindruckt davon, dass es sich um Hochwassergebiet handelt. Seit die Copa Cabana eingeweiht wurde, gab es noch kein echtes Hochwasser, wohl aber „Wellenschlag“. Die Kiesel stammen vermutlich aus der Flachwasserzone, heißt es.

Ja woher den sonst? Vom Mars?

Der Neckar ist ein Fluss und sowas sind nun mal im Fluss. Fließend, mit unterschiedlichen Wasserhöhen. Da wirken Kräfte, da wird Material transportiert. Den Fluss interessiert keine „Flachwasserzone“ oder ein „feinkörniger“ Sandstrand, der den „ästhetischen“ Idealen eines Zahnarztes oder dessen Patienten entsprechen: Alles weiß in Reih und Glied – scheinbar makellos.

Der Neckar ist Natur. Pur. Unabhängig von jedem Konzert auf der Festwiese.

Die Erkenntnis ist einfach. Man überlässt dem Fluss den Sandstrand und der macht eine Kieselablage daraus. Oder man räumt ein ums andere Mal die Kiesel weg und schüttet Sand nach. Damit es „schön“ aussieht. Makellos. Wie im Prospekt. Copa Cabana eben. Davon träumen nicht nur Zahnärzte.

Ich finde, es sieht schön aus, an diesem Strand. Natürlich uneben.

Ärgerlich ist es sicherlich für alle die, die privat oder geschäfltich gespendet haben, um einen „reinen“ Strand zu erhalten.

Die hat Herr Dr. Georg aber nach unserer Kenntnis bislang nicht gefragt.

In der Gemeinderatssitzung hat er ausdrücklich einen seiner „Patienten“ genannt, der mit der Unordnung offensichtlich sehr unzufrieden ist, was Herr Dr. Georg als Dienstleister im Gemeinderat sofort weitergetragen hat.

Ohne weitergehende Informationen, ob der Patient ein Spender oder nur ein Nutznießer mit „eigenen“ Vorstellungen ist.

Wie auch immer. Der „Patient“ hat immer recht. Und Herr Dr. Georg hat sich souverän zum Boten gemacht.

Auch das ein „Naturprinzip“, in dem alles fließt.

Klar geht es um Geld – haben die „Investoren“ vergebens bezahlt?

Das ist eine interessante Frage.

Die sollte man aber den „Investoren“ stellen.

Natur pur. Der Strand, wie der Neckar ihn gestaltet.
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Saubere Arbeit. Der reine Strand.
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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Markus

    Hallo, auf den Bildern sind auch zu viele Gänse zu sehen.
    Die Kinder spielen in der Gäänsesch… .

    Wird hier etwas unternommen?

    Liebe Grüße

    Markus

  • Silvia Lang

    NATUR!! PUR!! Da ist dich wohl zum Lachen!! Richtig wäre doch wohl: ‚KOT PUR!!‘ Der Strand besteht doch nur noch aus Enten,- Gänse- und Schwanenkot!! Es sollte endlich was gegen diese Plage getan werden,
    damit dieses Kleinod wieder genutzt werden kann!!

    • heddy

      Naja, Tierkot ist nun mal „Natur“ ….Soll man die Vögel „ausweisen“ oder „abschieben“?

      • Silvia Lang

        Unter ‚Tierkot ist nun mal Natur‘ fällt doch auch der Hund, warum dürfen denn die Hunde nicht an den Strand?
        Ach ja, ich vergaß, der Hund fällt ja unter die Spezie ‚Monster‘ der alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, zerfleischt. Nein, jetzt mal ernsthaft. Mein Mann und ich sind sehr naturverbunden dazu gehören sämtliches Arten und selbstverständlich auch das Federgetier. Nur macht es eben keinen Spaß mehr, egal ob Strand oder Neckarwiese, dass man sich niergendwo mehr niederlassen kann, ohne sich nicht in die ‚Natur‘ zu setzen bzw. zu treten.
        Die Plage besteht nunmal bundesweit s. auch LU, das Naturfreibad Blies, nur haben die ihre Situation bereits einigermaßen im Griff!!

        • Phil leicht

          Sehr geehrte Frau Lang,

          die größte Plage für die Erde ist der Mensch – wann wird da etwas unternommen! am besten wir werfen ne Atombombe und fangen von vorne an!
          Jetzt mal ernsthaft – ich finde es ein Unding von einer Plage zu reden – der Fluss ist nun einmal der Lebensraum der Enten, Gänse und Schwäne!!
          Ich gebe Ihnen ein Tipp – nehmen sie eine abwaschbare Plane mit und genießen Sie den Ausblick auf die Natur und deren Bewohner

          Ich war gestern am Ufer… wen sie die Kinderaugen gesehen hätten, wie sie strahlten als sie den Vögel zusahen, dann würden sie anders reden! Die Kinder machen sich nicht die Gedanken – es sind Menschen wie sie – die sich dan aber wieder darüber aufregen das Kinder meinen Kühe sind lilla – wo können diese freie Tiere noch sehen ausser am Ufer???

  • eine-mutter

    Hallo zusammen,
    das sind Wasservögel.
    Was schlagen Sie vor?
    Schlachten?
    Schilder aufstellen: Betreten des Strandes für Gänse verboten?
    Schönen Tag

    • Silvia Lang

      SCHLACHTEN!!, wow, wäre ich jetzt überhaupt nicht darauf gekommen. Denke mal, soetwas fällt nur anonymen Zyniker ein. Trotzdem prima Idee, ist doch bald St. Martin und Salmonellen bekommen wir dann gratis dazu!!

      • eine-mutter

        Guten Abend,
        auch das war nicht ernst gemeint.
        Verzeihung!

  • Phil Leicht

    Mache dir die Erde untertan. Dieser Satz hat bereits einiges Leid geschaffen und zeigte gerade in der letzten Zeit, dass die Welt nicht Wille und Vorstellung Einzelner ist sondern dass der Mensch lernen muss im Einklang mit der Natur zu leben. Wenn ich jedoch meine Vorkommentatoren lese, sehe ich dass man noch sehr weit weg ist vom Idealzustand. Wie wäre es wenn man Schilder aufstellt „Enten ist das betreten des Strandes verboten“ – man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
    Auch frage ich mich, gab es keinen bei der Planung gab, der errechnen konnte das dass was geschaffen wurde bei Nichtpflege schnell zu einem Ufer verkommt? Hat man etwa vergessen, dass wenn man ein Geschenk macht, welches Folgekosten mit sich trägt diese auch von jemanden beglichen werden muss? Bei Minderjährigen schreibt der Gesetzgeber dies vor. Bei einer Gemeinde nicht? Da die Stadt nur 2.000 € hierfür gab, sehe ich diesen Betrag auch nur als symbolische Geste um die Bürger milde zu stimmen. Ich persönlich finde es falsch, nun diese zur Kasse zu bitten. Gerade in Zeiten in denen diese leer sind – da gibt es wichtigeres und wenn es nur die Fähnchen beim Altstadtfest sind.

    • eine-mutter

      Guten Morgen,
      das war nicht ernst gemeint mit den Schildern. Entschuldigen Sie, wenn ich mich unklar ausgedrückt habe.
      Einen schönen Tag
      eine-mutter

      • Phil leicht

        ich weiß!! Bleiben Sie bei Ihrer Einstellung! Mein Beitrag bezog sich nicht auf Sie!

  • eine-mutter

    Guten Abend,
    nur noch zwei letzte Anmerkungen:
    1. Hunde sind ja per se keine Wasservögel,da sind doch die Halter in der Pflicht und
    2. (ernst gemeint) für den Strand schlage ich ehrenamtliche Strandputzer vor (ähnlich der Bachputzaktionen)
    Schönen Abend
    eine-mutter

  • Silvia Lang

    Sehr geehrter Herr Leicht,

    wir selbst haben zwei Kinder großgezogen, mit viel Natur und Tieren. D. h., wir haben einen großen Garten in dem unsere Hunde und Hasen genügend Auslauf haben. Wir füttern Sommer wie Winter die darin lebenden Vögel sowie Igel. Und alles was uns an Tieren zuläuft oder Hilfe benötigt, wird nach besten Wissen und Gewissen gehegt und gepflegt!! Also erzählen Sie mir bitte nichts von Natur und schon garnicht, wie ich mich in ihr bzw. ihr gegenüber zu verhalten habe. Aber wenn diese Population noch einige Jahre so weiter geht ist LA zugekotet. Kleinkinder nehmen bekanntlicher Weise doch alles gerne in den Mund. In diesem Falle ist doch der Krankheitsfaktor vorbestimmt.

    Schlussendlich muss ich Ihnen allerdings in einem Punkte vollkommen Recht geben. Das Schlimmste auf dieser Welt ist und bleibt der Mensch!!

    Einen schönen Tag und herzliche Grüße…

    • Phil Leicht

      Sehr geehrte Frau Lang,

      dass sie einen Hund haben, hatte ich mir schon gedacht! Da Sie es nun bestätigt haben möchte ich Ihnen doch den kleinen Unterschied erklären….. Das Gefieder lebt in seinem eigenen Lebensraum und somit kann man keine Vorschriften machen, da es eigenverantwortlich ist. Bei einem Hund dagegen ist der Besitzer verantwortlich und kann das Tun des Hundes auch lenken! Ich rege mich über die Rücksichtslosigkeit mancher – wohlbetont mancher! – Hundebesitzer auf! Wie oft ist der Gehweg vollgekotet obwohl der Hundebesitzer dies eigentlich weg machen müsste. Der Zusammenhang bei dieser Geschichte….? Es ist der Mensch der Rücksichtslos mit seiner Umwelt umgeht. Ihre Übertreibung in aller Ehre – sehen Sie es einmal anders, wenn sich nun die Vögel in Ladenburg ansiedeln, so heißt dies doch, dass Ladenburg alles richtig gemacht hat – die Natur fühlt sich wohl! Warum sollte man dies nun eingrenzen? Nur damit sich einige wohl fühlen? Ich denke, dies ist der falsche Weg! Mal davon abgesehen, dass nicht nur die Vögel sondern auch der Fluss sein Revier einnehmen wird.. Manche Ideen sind zwar im Ansatz gut, jedoch kann man diese nicht mit aller Gewalt und gegen alle (Natur)Gesetze durchsetzen (siehe S21 oder die neuen Hochwassergebiete die dadurch entstanden sind weil der Mensch meinte er könnte die Natur bezwingen und die Flussläufe begradigen). Wenn Sie sagen, sie sind naturverbunden, dann sollten Sie dieses verstehen! In meinen Augen ist es ein wundervolles Bild was der Neckar in Ladenburg entwickelt – ein belebter Raum! Mensch und Natur sollten lernen mit einander zu leben – und glauben Sie mir, bevor die von Ihn aufgezeichnete Schreckenszenarien eintreten, wird die Natur dies selbst regulieren – dafür braucht sie nicht den Menschen!
      Auch würde ich vorschlagen, dass alle die schwimmen möchten oder im Sommer das kühle Nass begehren doch einfach ins Freibad gehen sollten – welches ja nur ein paar Meter davon entfernt ist – somit hätten diese die Abkühlung die sie ersehnen und würden zugleich das Stadtkässel füllen (in der Annahme das das Schwimmbad städtisch ist) Dies wäre ein Kompromiss womit der Mensch, das Tier und der Fluss leben könnten. Ladenburg ist nun mal nicht die Côte d’Azur

      auch Ihnen freundlichste Grüsse von einem Idealisten der daran glaubt, dass diese Welt besser werden kann
      Phil Leicht!