Sonntag, 19. November 2017

Kriminalitätsbericht: Im Vergleich zu Mannheim nur halb so viele Straftaten

Print Friendly, PDF & Email

Guten Tag!

Ladenburg, 01. Juli 2010. Frank Hartmannsgruber, seit Oktober 2009 neuer Leiter des Polizeireviers Ladenburg, stellte in der Gemeinderatsitzung vom 23. Juni 2009 die Kriminalitätslage der Stadt Ladenburg vor. Verglichen mit anderen Orten ist Ladenburg eher ein „ruhiges“ Pflaster – trotzdem hat die Polizei genug zu tun. Bedauerlich: 2009 gab es insgesamt acht Fälle von sexuellem Missbrauch.

Von Hardy Prothmann

Polizeirevierleiter Frank Hartmannsgruber: "Keine besonderen Auffälligkeiten." Bild: ladenburgblog

Von „Entwarnung“ kann keine Rede sein: Auch in Ladenburg gibt es Kriminalität – Wohnungseinbrüche, Körperverletzungen, Diebstähle, Verkehrsdelikte. Verglichen mit anderen Kommunen steht Ladenburg aber gut da.

Der junge Polizeirat Frank Hartmannsgruber (36) hat im Oktober 2009 das Polizeirevier Ladenburg übernommen: „Ich kenne deshalb die meisten Vorfälle nur aus den Berichten – mein persönlicher Eindruck seit der Amtsübernahme ist aber, dass Ladenburg keine besonderen Auffälligkeiten zeigt“, sagte er dem ladenburgblog auf Anfrage.

Rückgang der Straftaten um 22,4 Prozent.

Die Zahl der Straftaten ist 2009 um 22,4 Prozent auf insgesamt 551 zurückgegangen (2008: 710). Leider ist auch die Aufklärungsquote auf 34,1 Prozent abgefallen (2008: 36,9 Prozent).

Die Häufigkeitsziffer beschreibt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, Opfer einer Straftat zu werden. Sie wird auf 100.000 Einwohner umgerechnet. In Ladenburg liegt sie bei 4.770 je 100.000 Einwohner uns ist erfreulicherweise deutlich zurückgegangen (2008: 6188). „Im Vergleich zu Mannheim gibt es nur halb so viele Straftaten, gemessen an der Bevölkerungszahl und den Opfern“, sagte Hartmannsgruber.

Es macht einen „gewaltigen“ Unterschied, ob man Opfer eines Diebstahls oder eines so genannten „Rohheitsdelikts“ wird. 2009 gab es in Ladenburg einen Fall von Raub (2008: 3) und 46 Körperverletzungen (2008: 41) – 14 davon „gefährlich schwer“ (2008: 18). Auf öffentlichen Plätzen gab es 6 Körperverletzungen (2008: 9).

„In Ladenburg gibt es relativ viele Fahrraddiebstähle, dafür wenig Schwarzfahrer und Ladendiebe“, sagte Hartmannsgruber in der Gemeinderatssitzung.

Das drückt sich auch deutlich in den Zahlen aus: Im vergangenen Jahr wurden 334 Diebstahlsdelikte gezählt (2008: 262). Pikant: 114 erfolgten „ohne erschwerende Umstände“ (2008: 120): „Es ist erstaunlich, wie hoch dieser Anteil ist“, wunderte sich der Polizeirevierleiter.

„Ohne erschwerende Umstände“ heißt, dass beispielsweise Fahrräder nur schlecht gesichert oder gar nicht abgeschlossen waren und so leicht gestohlen werden konnten. Andererseits scheint ein guter Schutz nicht immer ein ausreichender Schutz zu sein: Die Zahl der Diebstähle unter „erschwerenden Umständen“ stieg von 142 im Jahr 2008 auf 220 im Jahr 2009.

Hohe Zahl von Fahrraddiebstählen.

Frank Hartmannsgruber empfiehlt, gerade Fahrräder mit einem „externen“ Schloss anzuschließen, möglichst anderen Fahrrädern: „Der Diebstahl wird damit erschwert – Diebe haben es nicht gerne schwer.“ Außerdem empfiehlt er die Fahrradcodieraktionen der Polizei.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist um vier auf neun gestiegen: „Gerade Wohnungseinbrüche stellen neben der eigentlichen Strafttat eine große Belastung für die Opfer dar“, sagte Hartmannsgruber auf Nachfrage der Redaktion: „Die Polizei bietet hier eine Beratung an, um Einbrüche zu verhindern und sollte es doch dazu kommen, bieten wir Hilfen an.“ Insgesamt und im Vergleich gesehen seien die Fälle dieser Straftaten aber als gering anzusehen. Über die Sommermonate gehen Einbruchsdelikte tendenziell zurück und mehren sich dann wieder in der „dunklen“ Jahreshälfte.

Die Zahl der Sachbeschädigungen hat leicht zugenommen: 116 (2008: 109). Etwa die Hälfte betrifft Kraftfahrzeuge. „Dafür, dass Ladenburg eine große „Angriffsfläche“ bietet, können wir aber auch hier feststellen, dass die Zahlen eher unterdurchschnittlich sind“, sagte Hartmannsgruber.

Mit „Angriffsfläche“ meint der Polizist die große Zahl der Veranstaltungen, die öffentlichen Flächen oder auch historische Gebäude – eben alles, was „ungeschützt“ gegen eine mutwillige Sachbeschädigung ist. Ein mittlerweile aufgeklärter Fall war beispielsweise die Beschädigung des Rundklos vor wenigen Wochen – dieser wird aber in die Statistik 2010 eingehen.

Kaum Drogendelikte.

Sehr beruhigend ist die Zahl der aktenkundigen Verstöße in Sachen Betäubungsmittel: Nur 37 Delikte wurden 2009 bekannt, „darunter kein Fall von Heroin, sondern überwiegend Cannabis“, sagte der Leiter der Kriminalaußenstelle Hartmut Eckert (1. Kriminalhauptkommissar) – der seit 30 Jahren Polizist ist und seit der zweiten Jahreshälfte 2009 seinen Dienst in Ladenburg versieht.

Leider gab es auch acht Fälle von sexuellem Missbrauch. Dabei ist aber kein Kind tatsächlich körperlich missbraucht worden. In vier Fällen waren exhibitionistische Delikte, bei denen sich Männer vor Kindern unter 14 Jahren entblößt haben. In vier weiteren Fällen wurden kinderpornographische Daten auf Computern gespeichert. Das Strafmaß für diese Delikte reicht von Geld- bis hin zu Bewährungsstrafen.

In einem Fall wurde wegen Hakenkreuzschmierereien wegen eine politisch motivierten Straftat ermittelt.

Die Zahl der Tatverdächtigen hat sich deutlich verringert: 165 (2008: 235). Wie diese Zahl zu interpretieren ist, bleibt unklar. Es können im Mittel vier bis fünf Straftaten begangen worden sein, aber auch wesentlich mehr durch einzelne Personen. Auf Nachfrage teilte das Polizeirevier mit, dass „Szenen“ oder spezielle Gruppen nicht bekannt seien.

Weniger Jugendkriminalität.

Heranwachsende (18-21 Jahre) gehen mit 16 Fällen in die Statistik ein (2008: 26), Jugendliche (14-18) Jahre mit 27 Fällen (2008: 48). Also in beiden Gruppen eine deutliche Abnahme. Bei Kindern verdoppelte sich allerdings die Fallzahl auf 10.

Der Ausländeranteil blieb mit 26,7 Prozent (2008: 27,2) stabil: „Hier muss man bei Interpretationen vorsichtig sein, denn es gibt einige Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können, beispielsweise Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht“, sagte Frank Hartmannsgruber der Redaktion.

Insgesamt wurden 375 Verkehrsunfälle gezählt, 65 davon mit Personenschäden. Es gab einen Todesfall.

Sehr zufrieden zeigte sich die Polizei mit dem Einbahnstraßenkonzept bei den Open-Air-Veranstaltungen mit PUR und Klassik am Fluss: „Das hat sich bewährt, zwanzig Minuten nach Ende der Veranstaltungen waren keine Staus mehr festzustellen“, sagte Hartmannsgruber.

Zusammengefasst gebe es keine besonderen Auffälligkeiten, erläuterten die beiden Polizisten im Gemeinderat: „Beachtenswert ist allerdings, dass Gewalt und Sachbeschädigung sehr oft unter Alkoholeinfluss stattfinden“, sagte Hartmannsgruber.

Verstärkte Präsenz und Aufklärung.

Frank Hartmannsgruber kündigte weitere Schwerpunktkontrollen „Alkohol“ und „Gurtpflicht“ an: „Ich war erschrocken, wie viele Autofahrer ungesichert am Verkehr teilnehmen. Hier ist weiter Aufklärungsarbeit gefragt.“

In Zusammenarbeit mit der Stadt wird es bald auch Geschwindigkeitskontrollen in der Innenstadt geben. Auch Bürgermeister Ziegler wird daran teilnehmen, um „aufzuklären“.

Insgesamt sollen die Fußstreifen der Polizei weiter verstärkt werden, um eine wahrnehmbare Präsenz zu zeigen, aber auch „um als Ansprechpartner für die BürgerInnen da zu sein“, erläuterte Hartmannsgruber, der selbst bei vielen Einsätzen persönlich vor Ort ist: „Ich will wissen, was draußen los ist.“

Ziel sei eine bürgernahe Polizei und eine hohe Transparenz der polizeilichen Arbeit: „Kontakt zu den BürgerInnen und Aufklärung sind mir sehr wichtig“, sagte Frank Hartmannsgruber.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.

  • Heddesheimer

    “In Ladenburg gibt es relativ viele Fahrraddiebstähle, dafür wenig Schwarzfahrer und Ladendiebe”

    Sind nicht Fahrraddiebe auch Schwarzfahrer?

    *hab-ein-scherz-gemacht* 🙂